Leserbrief: Zum Hype um das Buch von Erik Flügge

Ein Leserbrief von Heribert Müller-Rieke:

Nur ein paar unsystematische Gedanken zu Arnd Bünkers Artikel zum „Hype“ um Flügges Buch:

  • Ich gehöre auch zu denen, die sich von dem erfrischenden Plädoyer haben begeistern lassen.
  • „die Analyse müsste aber tiefer greifen“: Das kann man immer sagen; und Sie verwirklichen das ja auch, indem Sie auf den Machtaspekt hinweisen und den dann aber als den wichtigsten, ja einzigen Ansatzpunkt zum Verständnis der Verkündigungskrise herausstellen. Mir scheint es so, dass Sie auf die Art sich davon dispensieren, sich überhaupt mit dem sehr wohl konstruktiven Ansatz Flügges  auseinanderzusetzen. Das Gute an Flügges Buch ist, dass er sich genau auf den kommunikativen Aspekt, das Sprachproblem in der Kirche beschränkt, aber sehr wohl die Verbindungen herstellt zur Systemproblematik.
  • Ihre Bagatellisierung seines Ansatzes bei der Sprache hat mich geradezu empört; Sie scheinen überhaupt nicht verstanden zu haben, wie wichtig Sprache bei der Verkündigung ist. Wie sonst könnten Sie zu solchen Kennzeichnungen kommen: „Mit dem Fokus auf die Sprachoptimierung geht es jedenfalls nur noch um das Handwerkliche.“ Dass Sie Sprache nur als Symptom der Verkündigungsproblematik sehen, ist doch fern jeden Bezugs zur heutigen Diskussion. (Ich verweise nur auf den Ansatz von Halbfas.)
  • Sie behaupten, Flügge biete gar keine neuen Inhalte. Vielleicht ist es ja so, dass er das auch gar nicht will. Mein Eindruck ist: Mit einer für kirchliche Auseinandersetzungen neuen Sprache und mit  authentischer emotionaler Beteiligung bringt er Selbstverständlichkeiten, die vergessen oder verdrängt worden sind, ins Bewusstsein – vielleicht ist das ja auch der Grund für die starke Resonanz. Darüber hinaus regt er sehr wohl zu neuem Verkündigungshandeln an.
  • „Ich fürchte, dass der Erfolg des Buches gerade darin liegt, das es das Grundproblem kirchlicher Verkündigung umgeht!“ Ihre grundsätzliche Ablehnung (oder Ihre Begeisterung von Ihrem Ansatz Macht?) bewirkt zweierlei:
    • Man kann bei „bestem“ Willen wirklich nicht davon sprechen, dass Flügge „Predigerinnen und Prediger an den Pranger“ stellt; da müssen Sie wirklich sehr selektiv gelesen haben; er zeigt doch gerade besondere Empathie ihnen gegenüber.
    • Sie sehen z.T. gar nicht mehr, dass Ihr Anliegen, die christliche Verkündigung wieder zur Geltung zu bringen, das gleiche ist wie Flügges, ich könnte viele Zitate anführen, bis hin zur Sicht auf Papst Franziskus.

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich freuen könnten über so einen erfrischenden neuen Ansatz und den „Hype“ um Flügges Buch als Ausdruck einer Erleichterung und einer Hoffnung.

Mit freundlichen Grüßen

Heribert Müller-Rieke, Ibbenbüren, im September 2016

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