Politische Integration oder religiöse Integrität? Vor diese Alternative sind religiöse Menschen durch die Verbannung von Religion aus der Öffentlichkeit gestellt. Patrick Zoll regt zu einem Umdenken an: Das größte Hinternis für Integration sei nicht auf Seiten der Religion, sondern auf Seiten der liberalen politischen Tradition zu verorten. Sein Fazit: Das europäische Integrationsprojekt kann gelingen, wenn wir bereit sind, mehr Religion zu wagen. Wiedergelesen.

Der französische Philosoph Jacques Derrida (1930-2004) wäre am 15. Juli 2020 90 Jahre alt geworden. Sein Denken der De-konstruktion, der »Entlarvung von Konstruktionen«, ist Zeit seines Lebens mit zahlreichen Vorurteilen bedacht worden. Insbesondere im deutschsprachigen Raum wurde dabei allerdings übersehen, dass in Derridas Relecture der abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte zugleich Elemente und Kriterien dieses Erbes erkennbar wurden, die gerade in politischer Hinsicht zukunftsträchtig sind – so die These von Peter Zeillinger (Wien).

Der Religion, zumal dem christlichen Glauben, ist ein störrischer Sinn eingeschrieben. Aus der Überzeugung von der Geschöpflichkeit von Natur und Mensch, von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen folgert eine radikale Vorstellung von der gleichen Würde jedes Menschen, gerade auch der Unterdrückten, Gescheiterten und Leidenden, und damit der Widerspruch gegen Verhältnisse, die Menschen erniedrigen und in Unfreiheit zwingen. Von Wolfgang Thierse.

Johannes Rauchenberger ist Kurator für zeitgenössische Kunst und Theologe und bietet eine „künstlerische Aschermittwoch-Rede aus Graz“. Er leitet seit vielen Jahren das KULTUM (Kulturzentrum bei den Minoriten Graz) und benennt künstlerische Akzentsetzungen und Interventionen zum Aschermittwoch. Ein Beispiel aus diesem Jahr ist die Installation „Foodporn“.

Politische Theologie ist höchst aktuell. Die Wahl eines Ministerpräsidenten in Thüringen mit Hilfe der AfD am 5.2.2020 bildet eine Zäsur im politischen Diskurs – eine rechte Normalisierung. Thesen einer Tagung im Januar 2020 in Frankfurt, die sich mit „Kirche, Theologie und AfD“ beschäftigte,  können hier aufschlussreich sein. Ein Beitrag von Mitgliedern des Arbeitskreises Politische Theologie: Jan Niklas Collet, Jonas Erulo, Fana Schiefen, Jan-Hendrik Herbst und Gregor Taxacher.

Aktuelle politische Debatten und Entscheidungen (nicht nur) in Österreich sind geprägt vom Thema des Verhaltens gegenüber Immigrant*innen – und hier besonders im Blick auf muslimische Personen. Regina Polak zeigt an Beispielen und anhand des Autors Amin Maalouf auf, dass es Differenzierung im Diskurs braucht; und dass die Haupt-Konfliktlinie zwischen autoritär und demokratisch läuft.

Der Quellcode religiöser Traditionen ist unhintergehbar freigegeben. Gebet ist nicht nur auf kirchliche Handlungsräume beschränkt. Vor 4 Jahren hat Navid Kermani in einer Rede in der Frankfurter Paulskirche zum Gebet aufgerufen. Michael Schüßler analysiert, dass das, was dann kam, ebenso umstritten wie symbolträchtig war. Ein Aufruf zum Gebet, der Fragen hinterlässt. Wiedergelesen

Einen denk- und fragwürdigen Jahrestag, den Beginn der „Flüchtlingskrise“ im September 2015, ließ Hanspeter Schmitt über die wiederholten Forderungen nach einer Wertedebatte in den deutschsprachigen Ländern nachdenken. Eine solche Wertedebatte müsste den komplexen ethischen wie interkulturellen Herausforderungen entsprechen. Wiedergelesen von 2016.

Papst Franziskus beklagt, nicht nur bei seinem Besuch auf Lampedusa, eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, wir haben uns an das Leiden der Anderen gewöhnt, es ist nicht unsere Sache. Ein/e Christ/in darf sich aber nicht aus der Verantwortung stehlen, glaubt Martin Wrasmann und plädiert für einen Haltungswechsel.