Sabine Bieberstein lenkt den Blick über die »positiven« Frauenfiguren der Bibel auf die unangepassten Frauen, die Gemeinden leiteten und lehrten, aber eben nicht im Einklang mit den Verfassern der kanonisierten Texte. Sie machen schmerzlich auf den Traditionsverlust im Laufe der weiteren Geschichte aufmerksam. Inspirierend bis heute bleiben die Anstößigkeit und Widerständigkeit dieser Frauen. Sie waren weder angepasst noch nett, sondern unkonventionell, laut und nervig.

Erst seit dem II. Vatikanischen Konzil setzt sich die katholische Kirche weltweit für den Schutz der individuellen Menschenrechte ein. Im Kircheninneren aber verfügen die Gläubigen kaum über menschenrechtlichen Schutz. Dies betont der Luzerner Kirchenrechtler Adrian Loretan im Interview mit dem Journalisten Beat Baumgartner.

Im Umgang mit universal geltenden Menschenrechten ergeben sich auch für Religionsgemeinschaften drängende Fragen im Verhältnis von Individual- und Kollektivrechten. Der Sozialethiker Peter G. Kirchschläger geht der Frage nach, was das für das Verhältnis von Staat und Kirchen bedeutet.

Die Enthüllungen zum Missbrauch nehmen kein Ende. Da sind nicht nur Einzeltaten, sondern ein ganzes System des Versagens, bis hin zum organisierten Frauenhandel mitten im Herzen der Institution. Ob „Kinderschutzkonferenz“ in Rom, „synodaler Weg“ in Deutschland oder ein verurteilter Kardinal, der nicht zurücktreten darf – die Kirchenleitung fährt auf Sicht. Unsere Analyse muss noch entschiedener werden, sagt Daniel Bogner.

The revelations of abuse never cease. These are not only isolated incidents, but a whole system of failure, including organized trafficking in women, right in the heart of the institution. Whether it be the “Child Protection Summit” held in Rome, the “Synodal Process” in Germany, or a convicted French cardinal who may not resign – the Church leadership continues to run on sight. “However, our analysis needs to be more decisive,” says Daniel Bogner.