Es ist heute kaum möglich, einen Sachverhalt einfach so als „Wahrheit“ auszugeben. Was ist Wahrheit, wenn in der Postmoderne doch auch Gegensätzliches gleichzeitig gelten kann und die Gültigkeit des Nichtwiderspruchsatzes zunehmend angefragt wird?
Die Thematisierung von Wahrheiten, die für die theologischen Traditionen noch dominierende Bedeutung haben, erzeugen wenig Plausibilität und haben meist kurze Halbwertzeiten. Die „Woche der Wahrheit“ hat sich diesem Dilemma gestellt und in ganz unterschiedlichen Anläufen versucht, mit Zeitgenoss*innen über Wahrheitsfragen ins Gespräch zu kommen. Antonia Przybilski berichtet aus Braunschweig.

In der Schweiz sind in der Seelsorge selbstverständlich Frauen und Männer gleichberechtigt tätig in Gemeindeleitung, Klinikseelsorge und Beerdigungen. Dennoch werden nur Männer (Priester und Diakone) zum Gottesdienst mit dem Papst in den Altarraum eingeladen. Eine Schweizer Seelsorgerin, die anonym bleiben möchte, benennt ihre Irritation – und schreibt selbst im Rollentausch einen fiktiven Brief eines Mitbruders an seine Schwestern im Glauben.