Ein Aprilscherz löste im Pastoralraum „Aare-Rhein“ freudiges Erstaunen aus. Diese Tatsache zeigt, dass an der Basis der katholischen Kirche die Offenheit da ist für Frauen als Priesterinnen. Peter Zürn berichtet.
Kurz vor Ostern, am 1. April 2026, stand in der Zeitung «Die Botschaft», der «Zeitung für das Zurzibiet»[1] ein Artikel mit dem Titel «Katholische Frauenordination vor dem Durchbruch». Darin hiess es: «Rom erlaubt einen Versuch, der lange undenkbar schien. In der Schweiz sollen katholische Seelsorgerinnen auf Zeit zu Priesterinnen ordiniert werden, darunter auch zwei Frauen aus dem Pastoralraum Aare-Rhein.» Der Artikel umfasste beinahe die ganze Seite 3 und zeigte ein grosses Foto der beiden Seelsorgerinnen.
Einführung einer zeitlich befristeten Pilotphase zur Frauenordination
Im Folgenden wurde ausgeführt, dass das römische Glaubensdikasterium nach Abschluss der jüngsten synodalen Beratungen in Rom die Einführung einer zeitlich befristeten Pilotphase zur Frauenordination beschlossen habe, der Versuch am 1. Dezember beginnen solle, die Schweiz als erstes und bisher einziges Land dafür ausgewählt wurde und aus jedem Bistum zwei erfahrene Seelsorgerinnen bestimmt werden können. Im Bistum Basel seien die beiden Seelsorgerinnen bereits im März definitiv ernannt worden und erhielten für die Pilotphase alle Rechte und Pflichten eines katholischen Priesters, einschliesslich der Sakramentenspendung. Dann wurden die beiden Seelsorgerinnen mit ihren Verdiensten ausführlich vorgestellt. Sie hätten sich über ihre Nominierung «sehr positiv überrascht» gezeigt und sähen ihre Teilnahme am Reformprojekt «als Chance, im Sinne einer für alle gleichwürdigen Kirche Verantwortung zu übernehmen – nicht zuletzt auch stellvertretend für viele Kolleginnen.»
weltkirchliche Irritationen vermeiden
Ergänzt wurde der Beitrag mit Hinweisen auf die zurückhaltende Informationspolitik des Bistums Basel und Roms, «um weltkirchliche Irritationen zu vermeiden», mit einer Begründung für die Wahl der Schweiz aufgrund ihrer «langen Tradition synodaler Prozesse, der hohen pastoralen Verantwortung von Seelsorgerinnen und der besonderen staatskirchenrechtlichen Situation und einer ausführlichen Beschreibung der vorgängigen Zusatzausbildung am Seminar St. Beat, die eigens für das Pilotprojekt konzipiert wurde inklusive der interdisziplinären Fachkommission, die das Projekt begleitet (natürlich auch mit «Vertreterinnen der Schweizer Bischofskonferenz»).
«Pfarrverantwortliche Priesterin (Pilotphase)» mit der Kurzform «PVP»
In zwei separaten Textkästen wurden zum einen die «präzis geregelte liturgische Praxis» beschrieben: «Die Predigt erfolgt vom Ambo, die Leitung der Eucharistiefeier vom Altar aus, wie bei Priestern üblich, Anpassungen an der Liturgiesprache seien nicht vorgesehen; zugleich wird Wert auf eine «sensibel reflektierte Rollenwahrnehmung gelegt». Ebenfalls erwähnt wird die kirchenrechtliche Amtsbezeichnung als «presbytera ad tempus» bzw. «Pfarrverantwortliche Priesterin (Pilotphase)» mit der Kurzform «PVP», ergänzt durch den Entwurf eines Leitfadens mit detaillierten Abschnitten zur liturgischen Kleidung, nämlich «die üblichen priesterlichen Messgewänder in den liturgischen Farben» ergänzt durch «ein unauffälliges, innen eingesticktes Symbol» auf Stola und Kasel, «das auf den experimentellen Charakter der Ordination hinweist». Im anderen Textkasten werden die positiven Rückmeldungen aus dem Pastoralraum Aare-Rhein und den betroffenen Pfarreien genannt: «Mehrere Stimmen sprechen von einem ’längst fälligen Schritt’, andere von einem ’mutigen Zeichen’, das Hoffnung wecke – die Vorfreude auf das kommende Jahr sei spürbar.
An Gesprächsstoff fehlt es seitdem nicht im Pastoralraum Aare-Rhein.
Der Artikel schloss mit den Worten: «Die beiden künftigen Priesterinnen möchten um ihre Person kein grosses sehen machen. Dennoch besteht die Gelegenheit, ihnen persönlich zu gratulieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss an die um 21 Uhr beginnenden Osternachtfeiern vom kommenden Samstag, 4. April, findet sowohl in Koblenz als auch in Leibstadt jeweils ein Apéro statt. An Gesprächsstoff dürfte es dabei nicht fehlen.»
So war es auch. An Gesprächsstoff fehlt es seitdem nicht im Pastoralraum Aare-Rhein. Aber an den beiden Apéros in der Osternacht gab es vor allem viel Applaus für die beiden Seelsorgerinnen. Und das nachdem dann längst allen klar war, dass es sich bei dem Artikel um einen Aprilscherz gehandelt hatte.
Der Autor erhielt per WhatsApp viele positive Rückmeldungen.
Beim Autor und beim zweiten Mitinitiator des Artikels bzw. der Publikation handelt es sich um engagierte Freiwillige aus dem Pastoralraum. Die beiden Seelsorgerinnen wussten im Vorfeld von der Idee, nicht aber von der genauen Gestaltung des Artikels. Der Autor erhielt per WhatsApp viele positive Rückmeldungen zur perfekten Machart des Artikels, besonders zur Liebe zum Detail und der grossen Ernsthaftigkeit. Besonders gut gefielen die «Vertreterinnen der Schweizer Bischofskonferenz». Eine Rückmeldung für viele:
Ein Orden für deinen Artikel. 🤩 💐Wunderbar, inkl. Glaubensdikasterium, das musste ich effektiv nachschauen – dazulernen und nie wieder vergessen, dank dir. Das hat sicher Spass gemacht beim Schreiben – auf jeden Fall ist es ein Genuss zu lesen. Herzlichen Dank.
Es gab Rückmeldungen bei den beiden Seelsorgerinnen und den anderen Mitgliedern im Seelsorgeteam.
Wie es bei gelungenen Aprilscherzen ist: Viele Menschen sind «darauf reingefallen». Manche nur kurz. Andere konnten es auch nach der Aufklärung kaum glauben. Es gab Rückmeldungen bei den beiden Seelsorgerinnen und den anderen Mitgliedern im Seelsorgeteam – im persönlichen Gespräch und am Telefon und vor allem per WhatsApp. Eine kleine tour d’horizon der WhatsApp- und anderer Beiträge:
Bei manchen starb die Hoffnung auf die Echtheit des Gelesenen erst lange nach dem 1. April: Hoch erfreut über den Inhalt😊. Endlich wird Altes langsam unserer Zeit angepasst! Bis jemand mich auf das Datum von gestern aufmerksam gemacht hat. Da schwand unsere Freude darüber. Nun hoffen wir Beide, dass das Datum von gestern nicht Einfluss auf den Bericht hatte?
…, dass endlich wahr geworden war, was sie schon lange erhofften.
Viele waren voll und ganz davon überzeugt, dass endlich wahr geworden war, was sie schon lange erhofften. Und weil die Erfahrungen in der Kirche vor Ort entsprechend sind (und das schon lange). So wurde die Freude darüber ausgedrückt, dass der Bischof merkt, was er an den beiden Seelsorgerinnen hat. Und dem Zweifel, dass ausgerechnet aus unserem Pastoralraum zwei Frauen ausgewählt wurden, stand die Erfahrung gegenüber: Bei uns und in angrenzenden Pastoralräumen haben sich die Frauen so sehr bewährt…
Einige Menschen waren Ostern deutlich näher als dem 1. April. Dass das Erscheinen des Artikels so nahe an Karfreitag und Ostern lag, machte Menschen durchlässig dafür: Wow!! Wow!! Endlich!! So so schön … Was für eine Auferstehung♥️
Scherz, Schmerz und Osterlachen gehören zusammen.
Auch Menschen, die erkannten, dass es sich um einen April-Scherz handelte, brachten den Inhalt mit Ostern in Verbindung. Und waren nicht vom Scherz gekränkt, sondern von der Ungerechtigkeit, auf die der Scherz reagiert: Scherz, Schmerz und Osterlachen gehören zusammen. Sehr herzlichen Dank für diese Initiative: Es darf auch schmerzen, denn es ist schmerzhaft, diese Diskriminierung. Ostern ist auch Aufruhr.
Manchmal verstärkte die Erkenntnis, dass es sich um einen Scherz handelte, die Erwartung noch, dass der Artikel wahr sein müsse. Stellvertretend dafür der empörte Ausruf: Jaa! Wo sind wir denn, dass es (noch) nicht so ist!
Seit ich weiss, dass es ein Aprilscherz ist, macht sich eine Trauer breit…
Für Einige war das ganze Geschehen eine Glaubensfrage. Ein alter Mann sprach davon, dass seine Gebete erhört worden seien. Jemand sagte: Ich kann nicht glauben, dass es nicht wahr ist. Bei manchen blieben Trauer und Bitterkeit: Seit ich weiss, dass es ein Aprilscherz ist, macht sich eine Trauer breit, die gar nicht mehr verschwinden will. – So lange wünschen wir uns das, so lange warten wir darauf, erleben Sie und Ihre Kolleg*innen und erleben, dass sich die Kirchenleitung nicht bewegt, das ist so bitter. Die Seelsorgenden im Pastoralraum suchten in solchen Fällen das Gespräch und boten Begleitung an.
Mir ist keine Stimme bekannt, die sich grundsätzlich gegen die Einsetzung von Priesterinnen aussprach.
Natürlich gab es auch Unverständnis für die Aktion und Kritik daran. Etliche Menschen fanden, dass man mit einem solch wichtigen Thema keine Scherze machen sollten. Aber mir ist keine Stimme bekannt, die sich grundsätzlich gegen die Einsetzung von Priesterinnen aussprach. Natürlich meldete sich insgesamt nur ein ganz kleiner Teil aller Kirchenmitglieder. Der Artikel zog auch keine Leser*innenbriefe nach sich.
Trotzdem bringen die letzten beiden Stimmen, die ich anführen möchte, für mich Wichtiges auf den Punkt: Wer will da noch behaupten, die Kirchenmitglieder wären nicht bereit für einen solchen Schritt! ist die eine. Und die andere ist eine, die in die Zukunft schaut Wir tun jetzt einfach so, als ob es wahr wäre! Im Pastoralraum Aare-Rhein und ziemlich sicher auch an anderen Orten sind Menschen startklar dafür.
Gastgeber des Juniatages der Juniainitiative

Beitragsbild: © Logo des Pastoralraums Aare-Rhein: 7 Pfarreien mit ihrer je eigenen Farbe. Als vielfarbiger und vielfältiger Kreis dynamisch verbunden. Offen für Verwandlung und Zukunft.
[1] Die «Botschaft» ist eine dreimal wöchentlich erscheinende Regionalzeitung, die im schweizerischen Kanton Aargau das Zurzibiet und angrenzende Gemeinden abdeckt. Die Zeitung existiert seit 170 Jahren, ist in der Region tief verwurzelt und erreicht als primäres hiesiges Informations- und Publikationsorgan eine potenzielle Leserschaft von über 20’000 Personen.


