Die protestantische Ethik und der Geist der Geschlechterverhältnisse waren im 19./20. Jahrhundert enge Verbündete. Diese Allianz wurde wichtig für die Entwicklung von Kapitalismus und deutschem Wohlfahrtsstaat, aber auch der evangelischen Ethik. In beiden hat die Alltagspraxis von Familien lange keinen systematischen Ort gehabt. Fürsorgendes Miteinander blieb insofern konzeptionell und politisch eine Utopie. Von Sabine Plonz.

„I am sexy and I know it”. Vor dem Hintergrund dieses Songs zieht Pius XIII. seine strahlend weiße Unterwäsche an, wählt seine roten Schuhe aus, lässt sich Schicht um Schicht mit päpstlichen Festgewändern in Gold, Rot und Silber, Brokat und Seide bekleiden, bis er schließlich mit der Tiara auf dem Kopf noch rasch eine Zigarette in den vatikanischen Arkaden raucht. Diese Szene aus der TV-Serie The Young Pope unter der Regie des Bildmagiers Paolo Sorrentino ist Zusammenfassung und ironische Brechung von fast 2000 Jahren klerikaler Ästhetik: Ausgangspunkt einschlägiger Betrachtungen von Theresia Heimerl.

Der Religion, zumal dem christlichen Glauben, ist ein störrischer Sinn eingeschrieben. Aus der Überzeugung von der Geschöpflichkeit von Natur und Mensch, von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen folgert eine radikale Vorstellung von der gleichen Würde jedes Menschen, gerade auch der Unterdrückten, Gescheiterten und Leidenden, und damit der Widerspruch gegen Verhältnisse, die Menschen erniedrigen und in Unfreiheit zwingen. Von Wolfgang Thierse.

Nach Wochen des Shut-Downs hat die österreichische Regierung beschlossen, die Wirtschaft schrittweise wieder hochzufahren. Aus ökonomischer Perspektive ist es höchste Zeit, wieder in eine Form der Normalität zurückzukehren, die nicht noch mehr Schaden anrichtet. Andererseits ist dadurch ein Ansteigen der Ansteckungskurve nicht auszuschließen und sind die vulnerablen Personen besonders gefährdet. Von Martina Schmidhuber