Helmut Loder ist Theologe, Religionspädagoge und Künstler. Er schreibt und malt seit vielen Jahren im religiösen Bereich. Diesmal beschäftigt er sich mit Weihnachtsbildern – was sie aussagen, und wie neue Weihnachtsbilder aussehen könnten.
Vorausbemerkung
Weihnachten. Ein wunderbar überfrachtetes Fest, viel emsiges Drumherum, ein Stall, ein Kind, das übliche Personal, jede Menge Konsumismus. Und viele Bilder. Alte, aus der Vergangenheit stammende, kitschige, aus der Gegenwart. Harmlose, banale und dumme. Manchmal sogar ziemlich ärgerliche.
Das Fest wird seit etwa 1700 Jahren recht intensiv bebildert. Aber welche Bilder taugen noch was? Was haben sie bewirkt? Wohnen wir mit ihnen und in ihnen? In den Tagen des Dezember kommen sie aus den Speichern, dann werden sie wieder verräumt. Warum? Weihnachtsbilder sind keine Ganzjahresbilder. Und keine Bilder für das private Heim(at)museum an den 4 Wänden zu Hause.
Was können wir – heute noch – von ihnen lernen, an ihnen ablesen? Wie gehen wir als „Zu- oder Hin-Schauer“ mit den millionenfach vermittelten, in letzter Zeit digital verschickten „Weihnachtsbildern“ um? In der Flut der Glitzersterne und des Geschenke-Tsunamis blicken so manche Gläubige recht verunsichert um sich. Welche Bilder wählen (wir) für Weihnachten? Die meisten sind scheinbar noch in den Kirchen beheimatet und kommen aus einer religiösen Ecke. Aber gibt es nicht auch neue, aktuelle, andere, unverbrauchte und nachdenklich machende Bilder?
Ich suche seit Jahren nach solchen neuen, anderen Weihnachtsbildern. Solche, die hoffentlich mehr erzählen, obwohl sie weniger darstellen. Solche, die einfach Fragen anstoßen wollen. Und die die persönliche Suche nach dem begleiten, was wir zu Weihnachten feiern wollen. Die herausfordern (wollen), und vielleicht in die Tiefe gehen. Das wäre natürlich optimal.
Weihnachten. Ein Fest, ein Stall, ein hilfloses Kind/ein Neugeborenes und liebevolle Eltern. Ich wage es, drei meiner – ganz subjektiven – Bildlösungen herzuzeigen und vorzustellen.
Bildversuch 1: „Von der Lichtspur … der Gottes-Geburt“. Oder „Gott wohnt in der Welt“.
Ich nenne den ersten Versuch: „Von der Lichtspur … der Gottes-Geburt“. Oder „Gott wohnt in der Welt“.
Leider noch immer schrecklich aktuell ist eine Bildgestaltung mit einer dunklen Ruinenskyline aus zerbombten Häuserzeilen, mitten drin ein dunkles Paar, in das das Licht „einschlägt“. Eine Licht.Spur führt zu ihnen. Fast wie ein Blitz bahnt sich ein Lichtstrahl seinen Weg, und zwischen den beiden zeichnet sich ein kleines Wesen ab, ein Kind.
Verknüpft habe ich dieses Bild beim Weihnachtsgruß 2023 mit dem Advent-Lied: „O Herr, wenn du kommst!“. Dieses Lied erzählt von der Hoffnung der Menschen, dass die Welt wieder neu wird, wenn Gott kommt und sich hineinlegt in die Dunkelheit und zerstörte Welt.
Vor 50 Jahren schrieb und komponierte die deutsche Pädagogin Helga Poppe ein Adventlied, das schnörkellos von der frohen Botschaft der Menschwerdung Gottes erzählt: „O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu!“ In vier Strophen entfaltet es, dass es Nacht um uns ist, aber dass Gott Mensch wird und in einer heillosen Welt, damals wie heute, zu uns kommt.
Wir alle wünschen uns nichts sehnlicher als dass diese Welt, die wir auch zu Weihnachten als gefährdet, von Zerstörung bedroht und unerlöst erfahren, wieder neu wird. Dass es Frieden und Glück gibt. Wir warten auf dich, o Herr, wir erwarten dein Kommen.
O Herr, wenn du kommst, Gotteslob 233 (Text und Musik: Helga Poppe 1975)
Bildversuch 2: GOTTesLICHT in Menschenhöhle

Wieder wird die Welt, so dunkel oft und voller Angst
in diesen Tagen, vom Licht, das aus der Höhe stürzt
wie ein Meteor, mit Hoffnung aufgeladen.
Er kommt und nistet sich in diese Finsternis, ins Chaos ein. Gott geht ins Dunkle, Todbesetzte.
Er lässt uns nicht im Stich und tritt in unsere Menschenwelt mit seiner Liebe in einem Kind im Futtertrog und stiftet Hoffnung auf das Leben.
Nun kann der Same seiner Liebe sich ins Licht verwandeln, das unsre Welt verändert hat.
Gott ist es selbst, der in dem Erdenstall, in der Menschenhöhle,
das Licht der Zukunft zündet,
die zum Leben führt, zur Freude,
die unsre Welt erwärmt, und das uns glücklich macht.
Das Samenkorn in Gold, das ist das Kind,
das Licht & Gottes Liebe, das alles feiern wir zur Weihnachten, trotz aller Sorgen,
weil unser Gott ein Licht entzündet
mitten unter uns und in uns.
Bildversuch 3: Gott wohnt in unserer Welt

Das feiern wir in diesen Tagen: Dass es licht und strahlend golden wird, dass es schon hell ist, wo wir Gott einen Platz in unserem Leben und Glauben geben.
Weihnachten möge einen satten Goldglanz auf unser aller Leben werfen. Denn Gott ist bei uns. Er wohnt in unserer Welt. Schon länger nicht mehr im Stall. Jetzt lebt er hier bei dir und mir. In unserer Zeit.
Ich denke, es macht Sinn, neue Bilder zu finden, zu entwickeln, die Weihnachten für die Menschen, die kleinen und großen, an-schau!-lich machen. Die Beispiele wollen Beispiel sein für tiefe Bilder von den Lichtspuren, die Jesu Geburt bis in unsere Gegenwart ausstrahlt.
Helmut Loder arbeitete bis zu seiner Pensionierung 2019 in der Religions-Lehrerfortbildung an der PPH Augustinum (Graz). Er ist weiterhin leidenschaftlich auf der Suche nach Bildern & Texten & Impulsen für eine zeitgemäße Sprache eines lebendigen, zukunftsfesten Glaubens.
Alle Bilder: (C) Helmut Loder
Begleitend sind diese und andere Bilder derzeit im „Haus der Stille“ in Heiligenkreuz/Waasen (bei Graz / Österreich), dem Lebensraum für Spiritualität & Begegnung, in einer Ausstellung zu sehen, die noch bis 22.1.2026 geöffnet ist.



