Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten bemerkt man, wenn sie auf Hindernisse stoßen. Dass die moderne Gesellschaft plural, differenziert, komplex und vielfältig vernetzt ist, erfährt man tagtäglich, ohne dass es einem auffällt. Ebenso wenig bemerkt man, wie sehr diese Form der gesellschaftlichen Strukturierung das eigene Wahrnehmen, Fühlen, Handeln und Denken prägt. Von Jochen Ostheimer.

Die Zeit vor Ostern ist eine geprägte Zeit, so heißt es. Eine, in der viele Menschen Exerzitien im Alltag ausprobieren oder ein weiteres Mal einüben. Der Theologe Tobias Sauer hat vor einem Jahr das Projekt „alles außer beten“ initiiert. In einem Interview, das Maria Herrmann für feinschwarz geführt hat, erzählt er von den Hintergründen und Erfahrungen, bei dieser kontextualisierten Form von Exerzitien. Und davon wie die Erkenntnisse bei diesem Projekt noch weitere Kreise ziehen können.

Der Begriff „Triage“ war bis vor kurzem nur Insidern bekannt. Nun stehen plötzlich in immer mehr Ländern Ärztinnen und Ärzte vor der Entscheidung: Wer bekommt das Beatmungsgerät – und wer nicht? Martin M. Lintner, Moraltheologe in Brixen, bietet eine Reflexion über medizinethische und terminologische Herausforderungen einer Notfallmaßnahme, deren Begriff ursprünglich aus der Kriegsmedizin stammt – und plädiert für die Beachtung des Gerechtigkeitsprinzips.