„Suchet, so werdet ihr finden“ – bloß manchmal etwas ganz anderes…

Anna Elisabeth Scholz hat die TV-Serie „Detectorists“ gesehen und denkt über suchen und nichts finden, über suchen und doch finden nach.

Eine Wiesenlandschaft in England im 21. Jahrhundert. In der grünen Weite zeichne sich zwei kleine Punkte ab, die sich langsam hin und her schwingend in einer parallelen Linie durch das Gras bewegen. Die Kamera zoomt näher heran. Zwei Gestalten sind zu sehen. Eine groß und hager, eine kurz und stämmig. Es sind Andy und Lance. Sie sind Schatzsucher, sogenannte „Detectorists“, die mit ihren Metalldetektoren die Felder nach verborgenen Schätzen absuchen. Ein kurzes Piepen zeigt verstecktes Metall im Boden an.

Voller Hoffnung graben Andy und Lance mit ihren kleinen Spaten die Erde auf. Viele Male. Immer in der Hoffnung, das ersehnte Sachsengold, wenigstens eine einzige Münze, herauszuholen. Was sie zutage fördern sind: Ringe von Konservenbüchsen, Kronkorken, rostige Nägel. Tag für Tag machen die beiden das. Lance ist Angestellter in einer kleinen Firma, sein Stolz ist sein gelber Sportwagen. Mit den Frauen hat er kein Glück, lässt sich von seiner Ex-Freundin, die mit einem Fitnesstrainer durchgebrannt ist, ausnutzen und lebt ansonsten ein aufgeräumtes kleines Leben in zwei ordentlichen Zimmern. Andy studiert seit 35 Semestern erfolglos Archäologie und lebt vom Geld seiner Freundin Becky, die als Lehrerin in einer Grundschule arbeitet. Becky wünscht sich, dass Andy sein Studium endlich beendet und sich einen Job sucht, denn sie hat die Nase voll von ihrem etwas eintönigen Leben und möchte am liebsten mit Andy eine Weltreise machen. Aber Andy steckt in seinem Leben mit Lance fest, traut sich nichts zu und lenkt sich lieber mit dem erfolglosen Schatzsuchen ab, als sein Leben in den Griff zu bekommen. Denn darin ist eine eigenartige Magie: Suchen. Nicht finden. Wieder suchen.

eine eigenartige Magie: Suchen, nicht finden, wieder suchen

Doch dann wird Becky schwanger. Sie setzt Andy die Pistole auf die Brust. Es muss etwas geschehen. Deshalb packt Becky es an und schickt heimlich eine Bewerbung für Andy an ein Archäologie-Institut, das Ausgrabungen in Botswana durchführt. Andy ist in Panik. Er vermasselt das Vorstellungsgespräch. Und bekommt dennoch, wie durch ein Wunder eine Zusage. Aber er verschweigt es Becky, weil er Angst hat, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, weil er völlig unterschätzt, welche verborgenen Fähigkeiten in ihm schlummern.

Diese Geschichte erzählt die britische Sitcom „Detectorists“, aktuell bis Ende Oktober abrufbar in der ARTE-Mediathek. Drehbuchautor und Regisseur ist Mackenzie Crook, unter anderem bekannt aus „Fluch der Karibik“, der neben Toby Jones („Captain America“) auch die Hauptrolle spielt. Eine Serie, die in drei Staffeln von den Höhen und Tiefen des Lebens erzählt und dabei sowohl zu Tränen rührt, als auch die Lachmuskeln erheblich strapaziert.

eine Allegorie der conditio humana

Andy und Lance verkörpern die menschliche Suche nach Glück, Liebe und Sinn und erleben dabei ein Auf- und Nieder zwischen Selbstzweifeln, Misserfolgen und unverhofften Erfolgsmomenten. Und sie sind zugleich Protagonisten, die eine Allegorie der conditio humana überhaupt repräsentieren: Die Sehnsucht nach etwas Größerem, nach dem, was man nicht sieht und die Unermüdlichkeit, mit der sie diesem unbekannten Ziel nachjagen, manchmal wütend und verzweifelt, immer wieder aber auch mit Mut und Zuversicht.

Etliche biblische Worte und Geschichten fallen einem beim Schauen ein: Der Schatz im Acker zum Beispiel. Prophetengestalten, die sich vor ihrer Aufgabe fürchten, die Psalmbeter, die poetische Worte für Sehnsucht und Hoffnung finden. Und letztlich auch das große Thema Auferstehung, das hinter vielen kleinen Momenten in Andys und Lance` Suche hervorschimmert.

Andy ist einer, dem viel gegeben ist. Und der es sich nicht traut, das zu nutzen. Weil andere im Wege stehen. Und weil er selbst sich ein bisschen zu dürr und hager und ungelenk für diese ganze Welt vorkommt. Und Lance ist auch so einer. Lange schon weiß er, dass er eine Tochter hat, bloß gab es nie einen Kontakt. Jedes Jahr hat er zwei Geschenke gekauft für das kleine Mädchen in seiner Vorstellung. 44 sind es inzwischen, 22 Jahre alt ist seine Tochter. Und dann trifft er sie und überhäuft die junge Frau mit seiner unbeholfenen Liebe so sehr, dass sie erstmal gleich wieder die Flucht ergreift.

… einer, dem viel gegeben ist.

Becky findet den Brief mit der Jobzusage für Andy. Sie ist maßlos enttäuscht, dass er nichts davon gesagt hat. Wütend packt sie ihre Sachen und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Andy ist verzweifelt. Was soll er machen? Er macht, was er immer macht. Resigniert zieht er mit Kumpel Lance und den Metalldetektoren los. Suchen und nichts finden.

Schließlich aber finden sie doch: Einen richtigen Schatz und andere, die mit Gold nicht aufzuwiegen sind. Und ein weiterer Detektor wechselt den Besitzer…

Manchmal finden wir Gold, auch wenn´s nicht gleich glänzt.

Und so suchen sie. Wie die meisten Menschen. Manchmal finden wir Gold, auch wenn´s nicht gleich glänzt. Und dann eben trotzdem kostbar ist. „Detectorists“ ist eine Serie übers Träumen, übers Hoffen und nicht zuletzt darüber, dass letztlich vor Allem die Liebe zählt. Hauptsache, die Suche geht weiter.

Weblink zur Mediathek

Dr. Anna Elisabeth Scholz ist Pfarrerin der EKKW und auch immer mal wieder auf der Suche. Sie interessiert sich für Film, Kunst und Musik und ist als Jägerin gern im Wald unterwegs.

Bild: Jack B / unsplash.com

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