Ein Leserbrief zu „Identitätsarbeit in Zeiten von Unsicherheit“

Leserbrief

Christina Salonek fordert in Anschluss an den Beitrag von Reinhold Esterbauer eine öffentliche theologische Diskussion über die Bedeutung des Todes für das Leben.

Liebe Freunde,

mir fällt immer wieder auf, wie offensichtlich in der Covid-Diskussion eine Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit umgangen wird. Mir scheint, es ist ein großes Versäumnis, daß wir ausgerechnet jetzt auf eine Auseinandersetzung damit verzichtet haben, was Leben ausmacht, wo so viele Zeitgenossen die Illusion totaler Machbarkeit aufgeben mußten.

Ich will damit nicht die Notwendigkeit der Pandemiebekämpfung infrage stellen, möchte aber einfordern, dass wir das Leben mehr von seinem Ende her denken und damit Raum für die persönliche Risikoentscheidung öffnen. Eine offene Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod bildet vielleicht auch einen besseren Pfad zum Umgang mit irrationalen Ängsten. Es gibt einen Punkt in jedem Leben, in dem das physische Überleben keine ausreichende Begründung für Maßnahmen mehr liefert.

Ich vermisse sehr schmerzlich eine öffentliche theologische Diskussion über die Bedeutung des Todes für das Leben. Wann wenn nicht jetzt in der Pandemie kommt ihr eine praktische Relevanz zu? Im übrigen haben auch die Kirchen in ihren öffentlichen Äußerungen diese Frage und damit ein Angebot zur Angstbewältigung mindesten vernachlässigt, um nicht zu sagen ausgelassen.

Christina Salonek, Rosdorf
Ehrenamtlich in der Telefonseelsorge tätig, Beerdigungsleiterin

Identitätsarbeit in Zeiten von Unsicherheit

 

 

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