Notizen aus der Trierer Provinz. Leserbrief zum Beitrag von Thomas Schüller

„Die Synode war ein Fest des Glaubens“ ist ein zentraler Satz, welcher die Kirchenerfahrung derjenigen zusammenfasst, die als Synodale eine hoffnungsvolle Perspektive für das Bistum Trier erlebt und mitgestaltet haben. Kein Wunder, dass mit diesem Schwung die Strukturreform des Bistums in den Blick genommen und angepackt wurde. Gute Erfahrungen und große Erwartungen einerseits – Unsicherheit, Verlustängste und Zurückhaltung bis Ablehnung auf der anderen Seite.

So erlebte ich die Stimmung. Die Aufgabe der Verantwortlichen bestand nicht nur auf der Sachebene, sondern zentral in der Vertrauensbildung, damit einfache und kritische Menschen sich so wahrgenommen und verstanden fühlten, dass sie ermutigt werden zu gemeinsamen Schritten in die verändernde Zukunft.

Hier habe ich Abbrüche erlebt, die keinem bösen Willen entsprangen, sondern eher zu viel gutem Willen. Es gab für mich eine Informationsfülle und ein Bemühen um Transparenz und Partizipation, die trotzdem viele Christinnen und Christen ratlos zurück ließ.

Ihre Fragen nach den für sie wichtigen konkreten Perspektiven vor Ort blieben weitgehend offen und bestärkten so die Unsicherheit bzw. die Distanz zum Prozess. Die Komplexität des Strukturprozesses im angestrebten Format war enorm und die Zeitfenster anspruchsvoll gesteckt. Dass mit diesem Druck auch Kommunikationsprozesse beeinflusst wurden, jede Erhöhung der Komplexität durch Widerstände und Bedenken sehr beanspruchend auf alle Beteiligten wirkten, versteht sich von selbst. Hier entstand die Grundlage der Widerstände gegen die Strukturreform. Die Priestergemeinschaft und die Initiative „Kirche vor Ort“ fanden sich nicht angemessen wahrgenommen und verortet im neuen Gesetz des Bischofs. Schuldzuweisungen, wie sie landläufig auf die Priestergemeinschaft und die Kircheninitiative vorgebracht werden, vertiefen Gräben und schaffen für mich keine Zukunftsperspektive.

In diesem Sinne kann die Reaktion der römischen Behörden auch als „Auszeit“ im gemeinsamen Spiel gesehen werden, um in ruhiger Atmosphäre sich gemeinsam die Zeit zu nehmen zum respektvoll-geduldigen Gespräch. Ich bin überzeugt, dass es dann Ergebnisse ohne Gewinner und Verlierer geben kann, wenn alle Beteiligten den guten Willen der jeweils anderen Seite als Grundlage des Gesprächs voraussetzen, den gegenseitigen Respekt voreinander bei verschiedenen Standpunkten durchhalten und alle Seiten offen für überraschende Ergebnisse sind.

Dies ist auch die spirituelle Grundhaltung meines pastoralen Dienstes – seit über 30 Jahren in der Trierer Provinz.

Volker Collinet, Dierdorf
seit 1988 pastoraler Mitarbeiter im Bistum Trier

Der Leserbrief bezieht sich auf diesen Beitrag von Thomas Schüller:

Roma locuta, causa finita? Warum der Trierer Bischof jetzt Widerstand leisten muss

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