Vergessen oder beabsichtigt? Die ökumenische Zusammenarbeit in der Pastoral ist kein Thema

Leserbrief

Norbert Mette reagiert in seinem Leserbrief auf die vielen Beiträge der letzten Woche zum Dokument der Kleruskongregation vom 21.7.2020. Und er moniert das Fehlen der ökumenischen Zusammenarbeit in der Pastoral in diesen Beiträgen wie auch im vatikanischen Dokument.

Dank des Dossiers des Münsteraner Forums für Theologie und Kirche erhält man einen guten Überblick über die Reaktionen auf die jüngste Instruktion der Klerikerkongregation. Bei allen kritischen Bemerkungen, denen ich weitgehend zustimmen kann, finde ich es doch befremdlich, dass das Stichwort „Ökumene“ so gut wie nicht auftaucht. Das ist nicht nur in der Instruktion und in der Debatte darüber der Fall. Sondern insgesamt bleibt sie bei den Projekten zur pastoralen Neuordnung – wenn überhaupt – ein Randthema.

Wie sollen angesichts des derzeitigen tiefgreigenden soziokulturellen Wandels die Kirchen und ihre Gemeinden/Pfarreien einen missionarischen Elan erlangen können, wenn dies nicht in ökumenischer Zusammenarbeit geschieht? Zu erinnern ist an die „Grundregel“, wie sie 1974 im Beschluss der Gemeinsamen Synoder der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland zur „Pastoralen Zusammenarbeit der Kirchen im Dienst an der christlichen Einheit“ im Anschluss an das sog. „Lund-Prinzip“, das auf die Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung in Lund 1952 zurückgeht, formuliert worden ist:

„Die theologischen Überlegungen […] haben gezeigt, daß „ökumenisch“ nicht irgendein Sachgebiet kirchlicher Tätigkeit neben anderen bezeichnet, sondern eine notwendige Dimension aller Lebensäußerungen der Kirche. Daraus ergibt sich für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften und deren Glieder die Verpflichtung, überall da gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens, der Verant-wortung für das notwendige Eigenleben der Gemeinden, unumgängliche rmenschlicher Rücksichtnahme oder größerer Zweckmäßigkeit dem entgegenstehen.“ (5.1.1)

Sieht man von erfreulichen Ausnahmen ab, scheinen derzeit die Kirchen seit einiger Zeit stärker auf eine Herausstellung ihres je eigenen Profils als auf eine um der Glaubwürdigjkeit ihrer Sendung willen längst fällige Zusammenarbeit in der Pastoral bedacht zu sein. Eine Rückbesinnung auf das Evangelium würde die Prioritäten anders setzen lassen.

Im Übrigen sei auf die gehaltvolle und anregende Reaktion auf die Instruktion der Kleruskongregation verwiesen, die der spanische Befreiungstheologie Xabier Pikaza mit dem Titel „Conversión pastoral de la parroquia. Luces y sombras“ auf seinem Blog veröffentlicht hat: https://www.religiondigital.org/el_blog_de-x-pikaza/vonversion-pastoral-parroquia_luces-sombras-7-2253144680.html.

Viele Grüße, Norbert Mette

Mette bezieht sich auch explizit auf den Beitrag von Johann Pock vom 21.7.2020:

Eine Instruktion als Offenbarungseid von Klerikalismus

Autor: Norbert Mette war von 1984-2011 Professor zunächst in Paderborn, dann in Dortmund, für Religionspädagogik und Praktische Theologie.

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