Was trägt?

Bild: Birgit Hoyer

Wir haben Sie gefragt, Sie haben geantwortet. Herzlichen Dank!

Wir wünschen Ihnen für 2019 die richtigen Fragen und eine Vielzahl nachdenkenswerter Antworten.

Was trägt?
Das fragst Du mich in dieser Zeit.
Eine Nominierung fürs Kabinett Trump wohl kaum.
Virtuelle likes meinen so einige.
Unsere Brücke dachten die Bewohner*innen von Genua.
Hass und Neid sagen die neuen Nazis.
Wohl kaum entgegnet die Geschichte der Menschheit.
Geld sagte X vor der Finanzkrise.
Religion, bis das Schwert durch die Luft surrte.

Was trägt?
Du fragst noch einmal.
Ich weiß, was mich trägt –
Deine Liebe. (Judith Weingart)


meine füße reichen
bis auf den
boden
der trägt (Franz Huber)

Ich kann mit der Frage nichts anfangen. Dahinter steht ein duales Denken. Hier ein Ich, dort das, was dieses Ich trägt. Für eine Antwort auf die Frage „Was trägt“ brauche ich momentan 0 Zeichen. Ich hab keine Ahnung. Es ist eine extrem dunkle, leidvolle Zeit, sehr hoffnungslos. Ich würde jeden Ausweg nehmen, wenn es einen gäbe. (Michael Mauerer)

In der Sinnlosigkeit des Seins sich am Leben im Hier und Jetzt erfreuen. Wege suchen und  finden, welche das Einfache wertvoll und das Streben nach monetären und scheinbar bedeutenden Dingen redundant erscheinen lassen. Es trägt die Unsicherheit der Welt und deren Vergänglichkeit, weil Mensch als kleiner Teil vom Ganzen teilhaben darf … (Michael Fischer)

Ich könnte sicher auch ohne Glauben an einen ‚Gott wie Jesus‘ mich durch ein vernünftiges, verantwortliches und hoffnungsfrohes Leben tragen lassen. Aber ich leiste mir den Luxus, meine Welt im Licht eines ‚Gottes wie Jesus‘ zu entdecken und erfahre überrascht, dass mein Leben nicht nur getragen, sondern aufgehoben wird: Mein Beruf, meine Familie, meine Freunde, meine Erfolge, meine Niederlagen, meine Gegner, meine Sehnsucht und meine Enttäuschungen, meine Zuversicht und mein Misstrauen. Mein Leben und mein Tod. (Alexius J. Bucher)

Oft lasse ich mich von meinem Humor tragen. Auch im Ernsten, sogar Traurigen das Komische sehen und darüber schmunzeln zu können, ist medizinisch glaube ich gut für meinen Hormonhaushalt – ich habe mal sowas im Wartezimmer beim Arzt gelesen. Spirituell hilft es mir, mich und vieles andere nicht übertrieben ernst zu nehmen und aus einer anderen Perspektive (z. B. der komischen) zu betrachten. Trägt das? Nicht direkt, aber es macht die Last leichter. (Andreas Münster)

Die Welt ein klein wenig besser machen. Ungleichbehandlungen zumindest teilweise zu beseitigen. Zukunftschancen eventuell für viele anders (= besser) zu gestalten, als es heute der Fall ist. Dazu hat man eine Stimme. Doch meistens muß man viel Geduld mitbringen und zahlreiche Gespräche führen, um Gehör zu finden . Oft sind es kleine Schritte und nicht selten sind auch Rückschläge absehbar. Aber der unbedingte Wille zählt. (Werner Pfeil)

Der Glaube an Jesus.
Die Engel ohne Flügel
Die mich ertragen
Mittragen,
Heraustragen
Aus Einsamkeit, Trauer, Frust …
Rein ins Leben
In die Gemeinschaft (Ina Bierer)


Es trägt etwas durch Angst und Trauer, Schmerz und Dunkel weiter hinein in eine Wirklichkeit unter allem ganz tief verwoben mit dieser Welt, wie sie ist. (Theresa Hüther)

Mein Glaube ist ein Drahtseilakt zwischen Hoffnung auf der einen und Zweifel auf der anderen Seite.
Immer wieder bin ich schon und werde ich noch aus der Balance geraten: vom Lüftchen des Mitgefühls bei Unrecht bewegt, vom Gegenwind aktueller Themen in Kirche und Gesellschaft angeblasen und von Stürmen des Zweifelns und Nicht-Glauben-Könnens gerüttelt.
Was mich trägt, ist der dünne Faden Hoffnung, dass da ein Netzist, wenn ich falle … (Esther Göbel)

Hab’s nicht gezählt bis heute,
wie viele Male ich fragte nach verlorener Hoffnung,
durchkreuzten Plänen so vieler Menschen, die rufen nach Frieden und Gerechtigkeit in den Zeltstädten dieser Welt.
Hab’s nicht gezählt bis heute,
was uns immer neu aufstehen lässt,
wo Vertrauen und Freundschaft gelingt,
niemand Hemd und Kragen riskieren,
niemand mehr Hass begegnen muss.
Sind wir nicht alle in guten Händen? (Stephan Schmid-Keiser)

Erneut lächelt das Jesuskind uns an. Doch das Kindchenschema kann nicht recht verfangen. Zu sehr sind sexuelle Gewalt und Strukturen des Vertrauensbruchs ins Hellfeld gerückt. Was (mich) trägt? Die in der Krippe verrückten Machtverhältnisse: „Groß“ wird klein(laut), „klein“ wird groß(artig). Vielleicht ein Anfang: Pastoral nicht als Monopol begreifen, institutionell entgrenzen und kleinschreiben. (Ulrich Feeser-Lichterfeld)

Ich kann diese Frage nur von mir aus beantworten. Ohne zu überlegen, kann ich sagen, mich trägt in diesen rauen Zeiten ein tiefes Gottvertrauen. Wohlwissend, dass ich mir dieses nicht selber aneignen konnte, bin ich für diese Gnadengeschenk sehr dankbar.
Jeden Tag beginne ich mit dem Gebet „Mit allem, was heute im meinem Leben geschieht, vertraue mich dir und deiner Führung an.“
Und ich spüre mich tatsächlich begleitet und getragen. (Alois Sattlecker)



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