Ein ganz persönlicher Dank von Claudia Lücking-Michel.
„Anstelle freundlich zugedachter Kränze und Blumen wird im Sinne des Verstorbenen um eine Spende gebeten an: Netzwerk Diakonat der Frau. (Stichwort: Peter Hünermann)“. – Das ist wieder einmal typisch.
Peter Hünermann war hochinteger. Ich habe ihn als konsequenten, aufrechten Menschen erlebt. Er mutete sich selbst große Anstrengungen zu, war dabei immer mit ganzer Kraft auf seine Arbeitsziele hin ausgerichtet. Egal ob kurz vor Weihnachten, wenn alle am Lehrstuhl schon langsam in Festtagsstimmung gerieten, sehr früh am Morgen auf dem Weg zu einem Termin vom KAAD in Bonn oder zwei Stunden bevor er zu einer großen Reise nach Lateinamerika aufbrach. Kein Grund nicht zu arbeiten.
Die Nachricht vom Tod von Peter Hünermann hat mich getroffen und traurig gemacht. Er war mein Dogmatiklehrer, Doktorvater, erster Chef, wichtiger Gesprächspartner bis hin zu Fragen, die während meiner Zeit im Bundestag aufkamen, und großes Vorbild.
Über seine wissenschaftlichen Leistungen, sein großes theologisches Oeuvre, seine beeindruckenden Erfolge als Editor großer Werke können berufenere Stimmen besser berichten. Ich denke an ihn als Seelsorger, prägenden Lehrer und beeindruckenden Menschen. Mit großer Gelehrtheit und rationaler Unterscheidungskraft konnte er ruhig und bestimmt argumentieren.
Er hatte durchaus Kritik an seiner Kirche, der aktuellen Theologenzunft oder einzelnen Autoritäten. Da hat er nie ein Blatt vor den Mund genommen und blieb sich immer treu. In aller Differenziertheit und mit guten Argumenten hat er Situationen eingeordnet, Erklärungen gefunden und nach besseren Lösungen gesucht.
Dabei habe ich bei ihm gelernt, über unsere engen nationalen Grenzen hinauszuschauen und die katholische Kirche als Weltkirche zu erleben. Peter Hünermann pflegte rund um den Globus intensive Beziehungen und hat uns daran teilhaben lassen: die Theologie Lateinamerikas, China, Afrika, das Stipendienwerk Intercambio, Exkursion nach Misereor, internationale Besucher, ein Doktorandenkolloquium mit Schülern und Schülerinnen aus aller Welt. Perspektivwechsel und produktive Fremdheit waren bei ihm Programm.
Peter Hünermann dachte auch politisch und agierte strategisch. Vor allem hat er aber immer tatkräftig vorgelebt, Verantwortung zu übernehmen und selbst zum Besseren beizutragen. Als er Präsident des KAAD wurde, hat er dieses Stipendienwerk vollkommen neu definiert und in seinem Sinn geprägt. Im großen Streit mit Ratzinger als Chef der Glaubenskongregation war seine Antwort die Gründung der Europäischen Gesellschaft für Theologie. Den Denzinger ließ er neu edieren und hat damit Generationen von Theologen und Theologinnen eine deutsche Übersetzung zugänglich gemacht.
Als ich in den 80er Jahren in Tübingen als Studentin in seinen Vorlesungen saß, war eines seiner großen Themen die Einführung des Diakonats für Frauen. In seiner Ämtertheologie ging er jeweils ausführlich darauf ein. Er erklärte uns, dass die Antwort aus Rom auf den Brief der Würzburger Synode immer noch aussteht. Ich hörte staunend zu.
Später erlebte ich, wie unter der Ägide von Peter Hünermann das Netzwerk Diakonat der Frau gegründet wurde, die ersten Ausbildungskurse für berufene Frauen stattfanden und sich der jährliche bundesweite Aktionstag am Fest der Hl. Katharina von Siena von einer kaum geduldeten Außenseiterveranstaltung bis in die Bischofskirchen „vorarbeitete“. Peter Hünermann kämpft weiter – sogar über den Tod hinaus. Typisch!
Ich sage ihm für alles, was er vorgelebt hat, von ganzem Herzen DANKE.
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Beitragsbild: KAAD
Dr. Claudia Lücking-Michel, Bonn, langjährige Vizepräsidentin des ZdK, Co-Leiterin des Synodalforums «Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilhabe und Teilhabe am Sendungsauftrag» beim Synodalen Weg sowie Mitglied des Synodalen Ausschusses der kath. Kirche in Deutschland.


