Ein Leserbrief von Hans-Joachim Sander zu „Karfreitag in Österreich. Eine Stellungnahme aus katholischer Perspektive“.

Warum nicht Ostermontag für Karfreitag? Oder Finger weg von Marienfesten – von Hans-Joachim Sander.

Es gibt derzeit eine aufgeregte innerchristliche Debatte in Österreich über Feiertage, weil die Regierung in Wien den Karfreitag nach der Aufhebung seiner spezifischen österreichischen Regelung durch den EuGH wohl nicht zum zusätzlichen Feiertag erheben wird. Die Debatte über den bisherigen Nicht-Feiertag wird jenseits der Lebensrealität geführt und tut so, als lebten wir in einem christlichen Staat. Viele sprechen sich in diesem Geist aus glaubenstheoretischen und ökumenischen Gründen für die Erhebung des Karfreitags zum allgemeinen Feiertag in Österreich aus.

Dagegen ist natürlich theologisch gar nichts zu sagen, wenn der Tag einen zusätzlichen Feiertag herausholte, was aber nicht der Fall ist. Der Karfreitag ist im Glauben klar wichtiger als der Montag nach Pfingsten, aber insbesondere natürlich als der Ostermontag. Wenn man daher schon ein säkulares Nullsummenspiel durch einen religiösen Feiertagstausch machen will, damit unbedingt ein triduum paschale zur Kalendergeltung kommt, dann böte sich natürlich der Ostermontag an. Dann hätte man weiter drei freie Tage, ohne Urlaub nehmen zu müssen und dem Glauben wäre außerordentlich Genüge getan. Und wahrscheinlich könnte auch die Wirtschaft damit leben. Vom Pfingstmontag hat der Mensch heute dagegen einfach mehr, weil er später im Frühling liegt.

Feiertage sind keine Glaubenszeugnisse mehr.

Feiertage sind schließlich in der gegenwärtigen Zivilisation keine Glaubenszeugnisse mehr. Das sind sie bestenfalls metaphorisch, also vom Anspruch ihres Verweises her, aber nicht in der Realität ihrer Belebung. Selbst sehr gläubigen Menschen fällt es am Ostermontag im Traum nicht ein, in die Kirche zu gehen, bloß weil man dem christlichen Glauben den freien Tag verdankt. Zudem hat sich so mancher hochrangige Feiertag längst unwiederbringlich verlagert. Weihnachten beginnt doch schon mit dem Advent, also spätestens wenn die Weihnachtsmärkte aufmachen, um von den Süßigkeitsverkäufen beim Discounter lieber zu schweigen. Wer will gegen die säkulare Natur von Feiertag mit Fanalen des Glaubens oder gar symbolischen Feiertagskreuzzügen ankommen, ohne sich lächerlich zu machen? Daher bietet der Pfingstmontag auch die wesentlich bessere Gelegenheit für Frühlingskurzurlaube. Soll der normale Bürger das opfern, um am Karfreitag doch nicht in den Gottesdienst zu gehen? Feiertage sind Kontaktzonen mit heilvollem Leben, keine metaphorische Taktiken für eine bessere Verbreitung des Katechismus im Volk.

Entsprechend ist es noch mehr daneben, in Österreich Marienfeste für den Karfreitag zu opfern. Da würde die Ökumene zum Labyrinth eines Minotaurus theologischer Selbstgerechtigkeit. Maria Himmelfahrt liegt einfach so genial im Hochsommer und seinem Körpergefühl, dass jede Christologie dagegen auf immer und ewig verblasst, Theologie hin oder her. Und einen so gefahrlosen Kontakt mit der imperialen Größe des Austrias der Habsburger, wie es das Immaculata-Fest nun einmal im Dezember bietet, lässt sich gar nicht erfinden. Angesichts der Dekadenz, in der und mit der das Imperium einst untergegangen ist, passt die herbstlich-winterliche Stimmung des Tages, als entspräche es einer Vorsehung.

Vom Habitus der Makulisten.

Außerdem lehre ich an einer Fakultät, deren Professoren früher einmal den Fürsterzbischöfen schwören mussten, keine Makulisten zu sein. Wer den 8. Dezember für den Karfreitag opfert, verfällt aber dem Habitus der Makulisten. Schließlich belegt die Immaculata, dass die Verehrung Mariens in keinem Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zur Christologie steht, wie ökumenisch interessiert dogmatische Handbücher es gerne weiß machen wollen.

Wer einen Sohn haben will, muss der Frau metaphysisch wesentlichen und nicht bloß akzidentellen Raum geben. Da kann man nicht mal einfach die Ursprungssünde mit dem theologischen Besen rauskehren, weil Mütter eben insbesondere für Söhne zweitklassig wären. Das gilt auch für Gott, es sei denn, man will ihm extrakorporale Befruchtung zuschreiben. Und selbst Thomas von Aquin und seine Dominikaner sind nicht auf diesen Dreh gekommen, als sie, ganz Patriarchen, für den Makulismus jahrhundertelang Sturm gelaufen sind. Im Unterschied zu Christus-Festen bieten Marienfeste echte Kontaktzonen für die Heilsbedeutung des Körpers. Und selbst die härtesten Verfechter des Karfreitags dürften keine Kreuzigungsaktionen im Stil von Hermann Nitsch fordern, um seinen Feiertag säkular kompatibel zu machen.

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Autor: Hans-Joachim Sander, Salzburg

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