Gebet an Jesus

Mit ihrem Gebet an Jesus reagiert eine Leserin auf den Artikel von Thomas Schüller zum „unfehlbaren Lehramt der Betroffenen“ (Bischof R. Voderholzer).

Jesus,

ich danke Herrn Schüller sehr, daß er so deutlich und klar Stellung bezogen hat gegenüber dem Gesagten von Herrn Voderholzer bei dem 2. Synodalen Weg. Das war so tröstlich für mich als Betroffene. Steht er doch dadurch an der Seite von Betroffenen von Gewalt.

DU weißt ich habe einen Traum ähnlich dem von Michael Pflaum, den er in seinem Buch ‚Für eine Trauma-existentiale Theologie‘ beschreibt (1). Ich träume von einer Institution Kirche, die wirklich an der Seite von Betroffenen von Gewalt (also nicht allein der von sexueller Gewalt, sondern jeglicher Gewalt durch die Kirche!) steht, die dadurch massive psychische Verletzungen – Traumata – erlitten haben. Ich träume von einer Kirche, die da endlich das tut, was DU uns vorlebtest:
DU, der DU genau da stehenbliebst und es noch tust, wo Leid und Traumata bestehen, der DU dieses Leid mit aushälst, also HIN- und Zuhörst! Ich träume davon, daß die Institution Kirche ebendiesen endlich wahrhaft beisteht und daraus lernt, wie geholfen werden kann und es auch endlich tut.

Ich träume davon, daß alle, die so krampfhaft Traditionen bewahren wollen, endlich begreifen, daß die Traditionen, die zeigen, daß sie Wunden schlagen und zu weiteren Verletzungen führen, in der bisherigen Form aufgegeben werden müssen. Ich träume davon, daß der Heilige Geist sie erreicht und sie sich wenigstens soweit öffnen, daß die dringend nötigen Veränderungen in Gang gesetzt werden können. Ich träume von einer Institution Kirche, die die 10 Dinge beachtet, die man gegenüber Betroffenen von Gewalt nicht sagen bzw. tun sollte, so wie sie Pflaum in seinem Buch benennt. (2)

Ich träume davon, daß mehr Bischöfe, wie Bischof Overbeck den Mut haben, gegen verbale gewalttätige Attacken laut vorgehen, sie benennen und auch bekämpfen, sowie ich davon träume, daß sie ihre möglicherweise vorhandenen Resignationen und Ängste überwinden. Ich träume davon, daß sie diplomatisches Vorgehen da aufgeben, wo es keinen Sinn macht und im Vertrauen auf DICH, Jesus und klar und deutlich machen, was zu tun ist. Ich träume davon, daß DU Heiliger Geist sie dabei für sie wahrnehmbar stärkst und ihnen hilfst das auszuhalten, was dann eben auch passieren wird: Anfeindungen und womöglich auch Bedrohungen.

Jesus, ich träume davon, daß Sie sich wieder mehr darauf besinnen wie DU warst: Ein Mensch, der seine Gefühle nicht verbarg, der zeigte, wie man damit umgeht, wie man sie mit dem Handeln in Einklang bringt, bzw. wozu sie im Grunde dienen. DU, der DU klar und deutlich Unrecht benanntest und dagegen vorgingst, und dabei doch auch soweit es machbar war achtsam mit DIR selbst warst! Ich träume davon, das die ACHTSAMKEIT wieder so zunimmt, so daß Traumatisierte wahrgenommen werden, damit ihnen Hilfe und vielleicht auch Heilung zu Teil werden kann.

Schließlich träume ich davon, daß Priester je nach ihren Charismen, wie es solche in unserem Bistum Hildesheim erfreulicherweise schon vereinzelt gibt, der Kirchenrechtler Thomas Schüller, der Dekan aus Erlangen Michael Pflaum, Pfarrer Jürgens, einzelne Kapläne, PastoralreferentINNEN, GemeindereferentINNEN und all die ehrenamtlich tätigen Menschen, die sich jetzt schon mutig und tatkräftig für eine solche Kirche einsetzen, reiche Frucht bringen.

1 Siehe Michael Pflaum: Für eine Trauma –Existentiale Theologie, Norderstedt 2020 2. Auflage S. 285 ff

2 M. Pflaum S. 155-158 wie dort u.a. benannt das Auffordern doch zu verzeihen! …

Die Autorin hat darum gebeten, ihren Namen nicht zu veröffentlichen. Sie war bis vor kurzem als Lehrerin tätig und ist ehrenamtlich als Musikerin in der Kirche engagiert. 

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