Leere

Flughafen Tegel

Die Kolumne für die kommenden Tage 20

Wir werden Ostern von etwas sehr Lapidarem hören oder lesen, was uns in der Zeit des Corona-Virus immer wieder begegnet: von der „Leere“. Da ist das Grab leer, als die Frauen und Männer, die sich zu Lebzeiten um Jesus geschart hatten, danach sehen wollten.

Wir kennen in den letzten Tagen und Wochen leere Straßen und Plätze, leere Fußballstadien, leere Theater, leere Schulen, leere U- und S-Bahnen, leere Restaurants … und inzwischen leider auch leere Kirchen (auch zu den Kar- und Osterliturgien)  sehr gut.

Unsere Erfahrung beschreibt einen Mangel: „Da fehlt etwas“. Zum einen begegnen uns leere Regale in Supermärkten, zum anderen fehlen uns alltägliche Gewohnheiten wie z.B. das Zusammenkommen mit anderen, die Zuschauer und Zuschauerinnen, die mitfiebern oder sich unterhalten lassen wollen, oder auch die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die in normalen Zeiten einen Großteil ihres Lebens in den Schulen verbringen und ganz besonders die „Communio“ in den Gottesdiensten.

In Zeiten von „Corona“ ist die Leere mit einer scheinbaren Lebensbedrohung verbunden. In den leeren Räumen darf nichts leben, damit das Leben nicht gefährdet wird.In der Osternacht feiern wir die Leere, das „Nichtvorhandensein“ des Leichnams Jesu. In einem leeren Raum ist nichts, das Nichts.

Als ich zum Fotografieren in die Eingangshalle des Flughafens Tegel ging, war die Leere, der ich begegnete, schon sehr bedrückend, unnatürlich, fast beängstigend. Aber in der Osternacht,  in der Dramaturgie der Passionszeit steht dieses Nichts für den zweiten Tief- oder Wendepunkt nach dem Karfreitag. Nach dem Tod Jesu am Kreuz ist dann sein Leichnam verschwunden. Im Johannesevangelium bleibt es zunächst offen, was mit diesem geschehen ist.

Und dennoch, es ist der Ostermorgen, die Sonne erhebt sich und dank des Engels, der im Matthäusevangelium diese Tiefe wegnimmt, ist schon die Wende zum Guten zu erahnen.


Mathias Bröckl, Teilbereichsleiter Religionsunterricht, Religionspädagogik im Erzbischöflichen Ordinariat Berlin

Bild: Mathias Bröckl

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