Leserbrief zu Liturgie in Zeiten von Corona

Leserbrief

Die 10 Thesen von Peter Ebenbauer haben Josef Wilhelm veranlasst, eine persönliche Stellungnahme zu Liturgie und Kirche in Zeiten von Corona zu schreiben. Wir veröffentlichen diese hier als Leserbrief.

Ich selbst bin mit 70+ liturgisch gut versorgt und ich kann mich mehr als ausreichend in das mediale Angebot einbringen bzw. dieses „mitnehmen“, konsumierend und interaktiv.

  • Existenzrelevanz und Systemrelevanz ist eine interessante Differenzierung, ich erhoffe mir jedoch keine Gegenüberstellung, sondern beides. Die Kirche ist in der Coronakrise systemrelevant und existenzrelevant für die Gesellschaft, wenn sie die „Option für die Armen, Einsamen und Kranken“ hierzulande und in fremden Landen betend und arbeitend stärkt. Glaube ohne Werke ist tot und Liturgie ohne soziale Konsequenzen (Diakonie) ist blutleer. Deshalb sind sozialpolitische Aktionen wie u.a. „Sei so frei/Bruder und Schwestern in Not“, die Dreikönigsaktion der „Sternsinger“ und der Familienfasttag mit dem Suppenessen in Zeiten ausgedünnter Kontaktmöglichkeiten besonders wichtig und zu unterstützen, weil sie über den lokalen Tellerrand hinausreichen.
  • Die vielen Erfahrungen aus Experimenten in der Zeit der Lockdowns mögen weitergedacht und lebendig gehalten werden, wo diese neue Dimensionen des „Kircheseins“ ermöglichen. Mich haben übrigens interaktive ZOOM-Gottesdienste, die von Frauen gestaltet und geleitet wurden, besonders angesprochen. 🙂 Für Bildungsformate tun sich neue Chancen auf (Veranstaltungen, Konzerte und Museen)!
  • Vor allem denke ich aber an meine Enkelkinder und ich hoffe, dass diese bald wieder ministrieren „dürfen“, Jungscharstunden erleben können und so in kirchliche Erfahrungen hineinwachsen. Denn kaum mit Begeisterung gestartet, wurden sie aus dieser wichtigen Sozialisierung hinausgebremst. Ich hoffen auch, dass Erstkommunion- und Firmvorbereitungen wieder als Sozialerfahrung nicht nur in Kurzform möglich werden.
  • Ich hoffe real und online auf vielfältige Formen von Kirchenerfahrung, die vor allem die MITTE stärken (Ministranten, Kirchenmusik, Pfarrgemeinderäte, Feste, Feiern und Zusammenkünfte/Zusammenkommen auf dem Kirchplatz, beim Pfarrkaffee und Kirchenwirt usw.). Spontane und interessens- und projektorientierte Gruppen auf Zeit wären zu forcieren: real und online.
  • Die Ergebnisse des von der Kath.-Theol. Fakultät Graz veranstalteten Online-Studientags „Kirche ohne Gottesdienst?“ vom 11. Dezember sollen weiter gedacht und auf die Alltagsebene heruntergebrochen werden.

Usw., usw., usw….. ich habe aber leicht reden, weil ich keine übergeordnete Verantwortung mehr habe. 🙂

Dr. Josef Wilhelm, Graz

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