Weihnachten geht auch anders

Weihnachten anders Krippe von Dorothee Rothbrust. Foto: Peter Hadorn, Basel (Ausschnitt)

„Glühwein und Weihnachtssegen“, „Weihnachtszauber“, lebende Schafe auf dem Bahnhofplatz… Wie wird Weihnachten in diesem Jahr in Pfarreien, Citykirchen und im Krankenhaus gefeiert? Feinschwarz.net fragte bei verschiedenen Personen nach und veröffentlicht hier die eingegangenen Ideen.

«Beer & Hymns» – Glühwein und Weihnachtssegen

Die lutherische Pastorin Nadia Bolz-Weber lud viele Jahre ins von ihr gegründete «House for all Sinners and Saints» ein zu einer unkonventionellen Form der Weihnachtsfeier: «Beer&Hymns» – Weihnachtslieder und Bier. Am 25-jährigen Jubiläum der Offenen Kirche Elisabethen im Jahr 2019 war die berühmt gewordene Bestsellerautorin und Bloggerin Gast in der ersten City-Kirche der Schweiz, bei uns in Basel, im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung «Frisch und weise. Geistliches fürs 21. Jahrhundert». Die dickköpfige, tätowierte und sarkastische lutherische Pastorin inspirierte uns auch im Corona-Herbst 2020.

Frisch und weise.

Weihnachten
Engel von Dorothee Rothbrust. Foto: Peter Hadorn, Basel

Die Offene Kirche Elisabethen feiert am Heiligabend keine «Weihnachtsnacht»-Feier wie sie seit ihrem Beginn 1994 am 24. Dezember um 23 Uhr gefeiert wurde, sondern öffnet die Türen von 21 bis 24 Uhr für Laufkundschaft – Menschen, die nach dem üppigen Weihnachtsessen und allfälligem Geschenke-Segen noch frische Luft schnappen wollen und sich abseits von zu Hause einen Absacker genehmigen und den Weihnachtssegen zugesprochen bekommen wollen. «Denn da muss noch etwas sein!». Wir haben uns bewusst gegen zwei oder drei Feiern à 50 Menschen mit Anmeldung entschieden, sondern für ein offenes Weihnachtshaus in der Basler City mit unserer modernen Krippe der Künstlerin Dorothee Rothbrust, mit weihnächtlicher Musik gespielt von Lukas Loss am Flügel (und vielleicht noch einigen seiner KollegInnen), für eine persönlich gespendeten Weihnachtssegen und zwar kein Bier, aber einen Becher Glühwein / oder Glüh-Punsch.

Da muss noch etwas sein!

Das wird kein stilles und andächtiges Sitzen und vielleicht für Manche ein chaotisches «Gläuf» geben – rein und raus, hin und her, Tür auf und Tür zu – doch es scheint uns zu passen zur Weihnachtsgeschichte, zum Licht, dass zur Welt kommt, zur Stille der Nacht, zum gewahr Werden des Glanzes der HEILIGEN RUAH, die doch trotzdem überall schimmert. Natürlich werden Viele den Alumni Weihnachtschor vermissen – wir auch. Wichtig scheint uns jedoch, dass wir offen haben und dass die Menschen eine Kerze anzünden oder leuchten sehen können oder/und das Friedenslicht mit nach Hause nehmen und ins Fenster stellen.

«trotzdemLicht – Weihnachten findet statt» so der Slogan der christlichen Kirchen. Ja sie findet statt – wir haben offen!

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Monika Hungerbühler und Frank Lorenz: Leitungsteam der postkonfessionellen Offenen Kirche Elisabethen in Basel – seit 26 Jahren offen!


 

Weihnachtszauber

Zur Situation im Pastoralraum Allschwil-Schönenbuch/Basel-Land

In diesem Jahr wurde nebst dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben auch das Pfarreileben durch Covid-19 ganz schön durcheinander gewirbelt.

Während im Frühling die Massnahmen restriktiv waren, niemand Erfahrungen hatte mit dem Virus, haben wir uns im Laufe der letzten Monate mental umstellen und auf die neue Situation einlassen können. Die Verunsicherung war und ist gross, denn niemand weiss, wie lange dieses Virus uns noch  umtreiben wird. Unendlich viele Feiern und Anlässe konnten zwar nicht stattfinden, dennoch waren wir im Seelsorgeteam dauernd mit den Fragen beschäftigt, was wir denn aktiv dazu beitragen könnten, um doch noch den einen oder anderen Anlass feiern zu können. Alternativprogramme wurden erarbeitet und meist wieder verworfen, nur im diakonischen Bereich lief alles recht gut.

Weihnachtszauber

Jetzt gehen wir auf die Weihnachtstage zu. Die Verkündigung der Frohen Botschaft und die Freude an den weihnächtlichen Tagen  versuchen wir dieses Jahr in anderer Form zu den Menschen zu bringen. Rund 1000 Personen besuchen unter «normalen Umständen» unsere Familiengottesdienste am Heiligabend in unseren drei Pfarreien. Mit Zulassung von 50 Personen pro Feier mit Anmeldung, wie wir dies bei den Gottesdiensten nun tun, müssten wir viele Menschen ausschliessen. So haben wir uns das Projekt «Weihnachtszauber» ausgedacht:

Zwischen 16 und 18 Uhr haben Familien, Paare und Einzelpersonen die Möglichkeit, zu einer der drei Pfarreikirchen zu kommen. Auf dem Kirchenplatz werden die Leute von Teammitgliedern freundlich empfangen und begrüsst. Zahlenmässig kontrolliert werden die Personen zu einem Gang zur Krippe eingeladen und eingelassen. Die Atmosphäre soll feierlich, geheimnisvoll, verzaubert sein. Weihnachtsduft liegt in der Luft, viele Lichtlein brennen und schöne Musik (aus einem Weihnachtsmusical, an dem viele Familien vor wenigen Jahren mitgewirkt haben) sorgen für eine festliche Stimmung.

Die Atmosphäre soll feierlich, geheimnisvoll, verzaubert sein.

Geschenke und Gedanken können mitgebracht und bei der Krippe deponiert werden. Die Weihnachtsgeschichte und eine kleine Anleitung zur Hausfeier geben wir den Familien mit, damit anschliessend Daheim, in kleiner Hausgemeinschaft, gefeiert werden kann. Das Friedenslicht steht  an verschiedenen Orten in den Kirchen zum Mitnehmen bereit, ebenso ein Bhaltis [kleines Geschenk]. Wichtig ist die Möglichkeit, wie jedes Jahr das Kinderhospital in Betlehem unterstützen zu können. So stehen beim Ausgang der Kirchen Kollektenkörbchen bereit.

Weihnachten findet also auf alle Fälle statt bei uns im Pastoralraum Allschwil-Schönenbuch.

„Lasst uns froh mit Mundschutz sein“

Die Römisch-katholische Landeskirche im Kanton Basel-Landschaft hat übrigens eine originelle Broschüre herausgegeben mit dem Titel: «Lasst uns froh mit Mundschutz sein – Advents und Weihnachtszeit unter besonderen Umständen». Dieses Büchlein ging an alle Haushalte, ist gut und originell gemacht mit Hintergrundinformationen, Rezepten, Geschichten und Ideen. Es kann auf der Homepage der Landeskirche eingesehen und heruntergeladen werden.

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Silvia Guerra ist Gemeinde- und Pastoralraumleiterin des Pastoralraums Allschwil-Schönenbuch in der Region Basel.


Weihnachten im Krankenhaus

Mehrere Anfragen an Krankenhaus-Seelsorgende, über die Weihnachtsplanung zu schreiben, wurden negativ beantwortet. Die Gründe waren stets dieselben. Stellvertretend hier eine der Antworten und trotzdem ein kleiner Ausblick:

Weihnachten anders
Foto: carolyn-v/unsplash.com

Wir haben im Team am letzten Freitag unseren Ausblick auf Weihnachten begonnen. Leider liess sich niemand für einen Beitrag für feinschwarz.net gewinnen. Dies hängt sicher damit zusammen, dass die Lage im Spital derzeit sehr angespannt und herausfordernd ist.
Für Weihnachten haben wir uns entschieden, ziemlich schlicht zu bleiben: Statt eines Gottesdienstes planen wir, eine Karte mit Weihnachtsgruss für alle Patient/innen drucken zu lassen. Diese wird ihnen mit dem Essen gebracht, falls sich das so einrichten lässt.
Wie alle Jahre bringen wir den Pflegeteams jeder Abteilung eine Karte, als Ausdruck der Anerkennung und Unterstützung, insbesondere in dieser belastenden Zeit.

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Susann Schüepp ist Seelsorgerin am Luzerner Kantonsspital


Weihnachten – vor der Tür

Die interaktive Weihnachtskrippe auf dem Bahnhofplatz Bern

Weihnachten anders
Aufbau des Stalls bei der Heiliggeistkirche Bern, Foto: Andreas Nufer

In diesen Tagen wird vor der Heiliggeistkirche auf dem Berner Bahnhofplatz fleissig gehämmert, gesägt und gezimmert. Die Szenografen und Handwerker*innen von „HolePole“  bauen eine grosse Krippe an die Rückseite der Kirche. Alle paar Minuten fragen Passanten, was denn hier gebaut werde. Gleich daneben zimmert eine Gruppe von Schreinern einen kleinen Schafstall und einen hübschen Holzzaun. Dort werden ab dem Freitag vor dem vierten Advent lebendige Schafe hausen. Und in die benachbarte Krippe ziehen dann die bunten Figuren von Heinz Lauener ein. Er ist Mitglied im Berner „Atelier Rohling“ und seine Figuren strahlen eine einfache Fröhlichkeit aus.

Im Stall werden lebendige Schafe hausen.

Die Krippe soll im holprigen Corona-Jahr bis am 6. Januar nicht nur weihnächtliche Magie in die Stadt zaubern, sie soll auch interaktiv sein. Wer möchte kann einen Stern vorbeibringen, der über den Stall gehängt wird, damit ein gemeinsamer Sternenhimmel entsteht. Natürlich kann man auch vor Ort gleich einen Stern basteln. Freiwillige nehmen Geschenke für Flüchtlinge entgegen, geben das Friedenslicht aus Bethlehem weiter, das im bunten Stall brennt, oder verteilen Segenssprüche, die in der Krippe liegen. Wer will, kann zusammen mit anwesenden Geflüchteten und Migrant*innen Video-Botschaften mit Weihnachtsgrüssen zu Verwandten in alle Welt schicken oder erfahren, wie an anderen Orten Bescherung gefeiert wird. Oder frau wird gleich selber zu einer Krippenfigur und nimmt eine kurze Videobotschaft zu Weihnachten 2020 auf, die dann via Facebook bekannt gemacht wird.

International Xmas im Loop

Am vierten Advent laden wir dann zur „International Xmas im Loop“ ein. Die grosse Feier, in der seit einigen Jahren Geflüchtete und Einheimische gemeinsam die biblische Weihnachtsgeschichte mit starkem politischem Bezug zur heutigen Welt spielen, wird nicht stattfinden können. Dafür werden die jungen Schauspieler*innen der „Jungen Bühne Bern“ Szenen aus der biblischen Weihnachtserzählung und ihrem eigenen Leben zeigen. Viele von ihnen haben selber Fluchterfahrung. Genauso wie die kunterbunt zusammengewürfelten Jugendlichen der Band „Alizarin“, die musizieren werden. Jeder „Loop“ dauert 15 Minuten  – alle kommen und gehen, wie sie möchten. Es dürfen immer so viele Menschen in der Kirche sein wie von den Behörden erlaubt.

Geflüchtete und Einheimische spielen gemeinsam die biblische Weihnachtsgeschichte.

Hinter „Weihnachten – vor der Tür“ stehen die offene kirche bern, die Kirchgemeinde Heiliggeist, die katholische Kirche Region Bern, die reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern und 16 weitere Partnerorganisationen.

Wer weiss, vielleicht wird so mitten in der schrecklichen Pandemie doch noch das Geheimnis von Weihnachten erlebbar – solidarisch, bunt, friedlich, einfach und überraschend.

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Andrea Meier, Leiterin der Fachstelle Kinder & Jugend der Katholischen Kirche Region Bern, und Andreas Nufer, Projektleiter der offenen kirche bern

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