Nein: und – kein Zurück zur Normalität

Kolumne für die kommenden Tage 51

Wir waren dabei – am virtuellen „female.vision“ – Frühlings-Summit 2020. Eine tolle Konferenz mit starken Referentinnen, coolen virtuellen Tools und 60 starken Frauen und Männern. Female.vision ist eingetragener gemeinnütziger Verein und versteht sich als eine Bewegung, die Visionen für die Zukunft, für das Zusammenleben und -arbeiten von Männern und Frauen auf Augenhöhe entwickelt, sichtbar macht und umsetzt.  Das Beste aus den female-male-Welten: www.female.vision!

Eine der Impulsgeberinnen war die Politökonomin Maja Göpel, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Mitglied des Club of Rome, des World Future Council, der Balaton Group und Fellow am Progressiven Zentrum, Mutter, Professorin Transformationsdenkerin #systemchange , Buchautorin #Die Welt neu denken u.v.m.

Nicht zurück in die sogenannte Normalität!

Maja Göpel sagt, wir dürfen nach Corona nicht zurück in die sogenannte Normalität, die so viele unnormale Komponenten hat. Um unseres Planeten willen geht es nur vorwärts in eine neue Welt. Jetzt heißt es, nach vorne zu springen und nicht zurück.

Vorwärts in eine neue Welt!

Auch mit ihrem neuen Buch ermutigt sie zu einem positiven Blick auf Zukunft. Schön wäre es gewesen, es hätte Corona nicht gebraucht, um uns zu stoppen und wieder fühlen zu lehren, was uns lebendig sein lässt, wofür es sich lohnt, sich einzusetzen. Jetzt geht es darum, deutlich zu machen: „Wir wollen so nicht mehr.“ Es ist einfach, so Maja Göpel in ihrem Summit-Impulsreferat, sich auf ein „Nein“ zu einigen. Die Professorin plädiert für ein Nein, aber für ein: Nein: und …

NEIN: und …

Was muss wachsen, was muss schrumpfen?

Was macht eine gute Entwicklung aus?

Wie kommen Mensch und Natur in eine direkte Verbindung?

Welche Wirtschaft muss wieder hochgefahren werden?

Wo ist jetzt zu investieren?

Wie kann international Verantwortung übernommen werden?

Was ist wertvoll?

Unsere bisherige Normalität lebt davon, Realitäten ausblenden. Interessant ist ja, dass wir in Europa im Moment alle Dinge zum Leben haben, die wir brauchen, obwohl die Wirtschaft stillsteht. Verzicht ist Zugewinn. Diesen Satz gilt es, weiter auszubuchstabieren: In Kreisläufen denken und wirtschaften, nicht Wachstum als Zielvorgabe, sondern die Frage nach den Zugängen. Haben alle Zugang zu Wasser, zu Einkommen, zu Wertschätzung und Teilhabe, zu Gesundheit, Bildung, etc.

Verzicht ist Zugewinn!

Es kann nicht das Ziel sein, dass Lufthansa anstrebt, in drei Jahren wieder beim selben Flugvolumen anzukommen wie vor Corona. Unsere Umwelt und die Mehrheit der Menschen verkraften unsere Art zu wirtschaften, zu belohnen und zu konsumieren nicht länger. Wir müssen Veränderungsprozesse für ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften anstoßen. Wir alle. JETZT

Fe-male-vision – gibt klugen Menschen eine Plattform, um strukturkreativ zu werden, die Chance, sich neu zu erfinden, um ins Risiko, ins Unbekannte gehen. Wer, wen nicht wir, die wir uns als Christ*innen gehalten wissen, sind davon angesprochen. Und doch haben wir irgendwie und komischerweise immer mehr Angst vor der Veränderung als Angst, am nächsten „Corona“-Virus zu sterben.

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Judith Weingart, Dipl. Politologin und Kommunikationsmanagerin, Bamberg.

Birgit Hoyer, Leiterin des Bereichs Bildung im Erzbistum Berlin, Honorarprofessorin für Pastoraltheologie und Homiletik an der Phil.-Theol. Hochschule St. Georgen/ Frankfurt a.M., Mitglied der feinschwarz.net Redaktion.

Bild 1: Luke Insoll / unsplash.com

Bild II: Buchcover

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