Nicht berühren, sondern glauben

Die Kolumne für die kommenden Tage 1

Gedanken zu den Auferstehungserzählungen bei Johannes – angesichts der Todesnachrichten im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Nicht berühren, sondern glauben

Bei strahlendem Sonnenschein
hat sich langsam und unsichtbar
etwas in unsere Gesellschaft und unser Leben eingenistet
und frisst sich in die Gedanken, in die Statistiken,
in die Wirtschaft, in die bisherigen Gewohnheiten.

Frau, warum weinst du?
Krankheit und Einsamkeit.
Arbeitslosigkeit und Zukunftsangst.
Verlorene Träume und Unerbitterlichkeit des Schicksals.
Überforderung und Hilflosigkeit.

Maria! Das Hoffnungswort.
Aber: Halte mich nicht fest!
Denn Auferstehung ist
Hoffnung entgegen dem Augenschein.
Nicht berühren, sondern glauben.
Nicht festhalten, sondern loslassen.
In der Umkehr das Erkennen der Zukunft.

Der Angst vor dem Unbekannten
wird das Vertrauen zu jenem entgegengesetzt,
der Aussätzige berührt und Tote erweckt hat.
Der in geschlossene Räume kam
und als Arzt an der Seele Verwundete heilte.

Gott scheint ferne zu sein,
er greift nicht ein. Oder doch?
Er ist im Arzt im Schutzanzug und
der Krankenschwester im 24-Stunden-Dienst.
Er ist in den hilfsbereiten Nachbarn
und in den systemerhaltend Arbeitenden.

Und er ist zugleich in den Sterbenden
in Intensivstationen
wie in den Flüchtlingskindern an Europas Grenzen,
und leidet und stirbt mit ihnen.

Daher: Sei nicht ungläubig, sondern gläubig –
und selig, die nicht sehen, aber doch glauben.

(Johann Pock, 18.3.2020, inmitten der Coronakrise)

Joh 20,14-17
Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.

Joh 20,26-29:
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

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Autor: Johann Pock ist Prof. für Pastoraltheologie in Wien und Mitglied der Feinschwarz-Redaktion

Foto: Pierre Chatel / unsplash.com

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