Replik des KSD Katholischer Siedlungsdienst e.V. auf Prof. Dr. Bernhard Emunds

Replik des KSD Katholischer Siedlungsdienst e.V. auf Prof. Dr. Bernhard Emunds „Kirchliche Siedlungswerke – cashcows der Diözesen oder Beitrag der Kirche zur Verringerung der Wohnungsnot?‟

Der KSD Katholische Siedlungsdienst e.V. bildet den Dachverband der katholischen oder der Kirche nahestehenden Wohnungs- und Immobilienunternehmen in Deutschland. Neben den 27 deutschen Diözesen gehören 45 bauende Wohnungsunternehmen – diözesane Siedlungswerke, örtlich bauende Unternehmen, genossenschaftlich organisierte Familienheime – zu unseren Mitgliedern.

Im Verband der Wohnungswirtschaft (VdW) Rheinland Westfalen stellen​ die​ katholischen Wohnungsunternehmen nur eine geringe Minderheit dar. Unsererseits und auch durch die Mitgliedsunternehmen wurde ​keinerlei Einfluss auf die Auswahl der zu veröffentlichenden Artikel genommen – die von uns kontaktierten Geschäftsführungen wussten noch nicht einmal von der Existenz des Beitrags von Prof. Dr. Emunds. Die Entscheidung zur Ablehnung muss alleine im Verband des VdW und dessen Redaktionsteam getroffen worden sein.

Der KSD und seine Mitgliedsunternehmen stellen sich gerne der Diskussion, denn nur so können wir uns verbessern. Prof. Dr. Emunds stellt in seinem Artikel, den wir für kritisch, aber hilfreich halten, wichtige Fragen zur Arbeit insbesondere der katholischen Siedlungswerke. Hier helfen kritische Reflexionen immer, besonders wenn sie wohlwollender Art sind und ein Ziel verfolgen, welches auch uns am Herzen liegt. Aus rein immobilienwirtschaftlicher Sicht haben wir zu den Themen Skaleneffekte und serielles Bauen eine etwas andere Einschätzung, aber auch da ist der Dialog hilfreich. Gleiches gilt für das städtebauliche Leitbild, das heute sicher nicht mehr dem der Nachkriegszeit oder dem Stil der Großsiedlungen der 70er Jahre entspricht, einer Zeit, aus der die hohen Produktionszahlen der kirchlichen Wohnungsunternehmen in früheren Jahren resultieren.

Im Hinblick auf die Rolle der Gesellschafter, die „klaren Entscheidungen der Bistumsleitungen‟, spricht der Verfasser eine Thematik an, die nicht nur die Gremien des KSD, sondern natürlich auch die Bischöfe und Bistumsleitungen beschäftigt – die sozialethische Perspektive und der kirchlichen Auftrag müssen bei allen Entscheidungen stets im Fokus bleiben. Dennoch befinden sich auch die Gesellschafter vielerorts in einem Spagat zwischen ökonomisch-wirtschaftlichen Verpflichtungen und dem Wunsch nach stärkerem sozialem Engagement: Rückläufige Einnahmen gebieten Sparzwang, Immobilien, caritativer Dienst, Gehälter und Pensionen wollen auch für die Zukunft auskömmlich finanziert sein. Gleichermaßen sind bei allem guten Willen auch die katholischen Siedlungswerke Unternehmen und müssen ihre Entscheidungen unternehmerisch verantworten. Das eine, das gute und soziale Handeln schließt jedoch das andere, die unternehmerisch verantwortliche Entscheidung, nicht aus – beides darf sinnvollerweise nicht aus den Augen verloren werden, um sozialer wie wirtschaftlicher Verantwortung gerecht zu werden.

Dem KSD und seinen Mitgliedsunternehmen liegt die lebenswerte Versorgung breiter Schichten der Gesellschaft mit bezahlbarem Wohnraum am Herzen, ebenso der zukunftssichere, nachhaltige Wohnungsbau in Verantwortung für Mensch und Schöpfung. Die katholischen Wohnungsunternehmen bekennen sich klar zu dem Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050.

Die Teams und Geschäftsführer der Siedlungswerke möchten ihrem satzungsgemäßen Gründungsauftrag – der von Prof. Dr. Emunds geschilderten „sozialen Ausrichtung der Siedlungswerke‟ – stets nachkommen und sich von den anderen Akteuren der Wohnungswirtschaft abheben – zum einen durch die erwähnten „Leuchtturmprojekte‟ und Dienstleistungen​ für kirchliche Akteure mit Immobilienbesitz, zum anderen aber sehr gerne auch durch mission​ und „beherzte, gemeinsame Kampagne‟. Für eine solche bedarf es des Willens aller Gesellschafter, und ferner auch des Willens von Gemeinden, Kirchenstiftungen, Pfarrgemeinderäten und Ordensgemeinschaften: Wenn nicht mehr benötigte Immobilien „für Projekte, die viel erschwinglichen und angemessenen Wohnraum schaffen, günstig an die Siedlungswerke verkauft oder in Erbpacht vergeben werden‟, kann ein solcher Kraftakt gelingen.

Der KSD und seine Mitgliedsunternehmen stehen hier als leistungsfähige Partner bereit und stellen sich gerne dem Dialog über Ziele, Aufgaben und Möglichkeiten. Quantitativ spielen die katholischen Wohnungs- und Immobilienunternehmen eine überschaubare Rolle auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Doch sie bieten Tausenden von Menschen ein sicheres, lebenswertes Wohnumfeld und wollen darüber hinaus mit Leuchtturmprojekten auf sozialem und ökologischem Gebiet Beispiele geben für kreative wohnungswirtschaftliche Umsetzungen, Vorbild sein für Quartiers- und (Um-)Nutzungskonzepte und so bei ihren Vorhaben den Menschen, nicht die Masse in den Mittelpunkt stellen.

Ulrich Müller (Geschäftsführender Vorstand)

 

 

 

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