Unterwegs mit Bischof und NENA

In meinen Gedanken begegnet NENA mit ihrem Song „Wandern“ aus dem neuen Album „Licht“ dem 2013 verstorbenen Innsbrucker Bischof und Bergsteiger Reinhold Stecher.

„Ich habe mich in den letzten Monaten deutlich verlangsamt. Ich fühle mich entschleunigt, und das ist mir nicht einmal fremd. Es fühlt sich eher natürlich an. Wir kommen ja auch mit einem Slow-Mo-Gefühl auf die Welt und nicht als gestresste, sich abhetzende Wesen. Wir haben uns so daran gewöhnt, ‚durchgetaktet‘ zu sein. Leben ist keine Hetzjagd, das ist mir nochmal so richtig bewusst geworden. Statt sich das Leben im permanenten Stress und Leistungsdruck zu gestalten, könnten wir uns auf unseren Ursprung besinnen.

Wir kommen nicht als gestresste, sich abhetzende Wesen auf die Welt.

Uns wieder als ein Teil vom Ganzen wahrnehmen und eigenverantwortlich handeln, in dem Bewusstsein, dass wir Brüder und Schwestern sind und unsere Vielfalt und Unterschiedlichkeiten als Bereicherung empfinden und wissen, dass jeder von uns unendliches Potenzial in sich trägt,“ ist auf NENA’s website zu lesen.

In „Wandern“ singt sie von Erfahrungen, die „auch irgendwann wieder gehen“1 dürfen. „Unsere Erinnerungen sollen uns nie im Weg stehen. Wir lassen sie gehen, gehen, gehen.“ Dabei geht es nicht um ein Weglaufen und Ausblenden der Realität, sondern eher ein Rückbesinnen und Ankommen. „Wir rennen nicht weg vor dem, was wir erleben. Wir bleiben dran und werden auch diesmal alles geben. Und alles was wehtut, darf auch irgendwann wieder gehen.“

Doch jede Erfahrung darf auch irgendwann wieder gehen.

Für Bischof Reinhold Stecher liegt dieses Ziel in Gott und zu Gott führen viele Wege – einer über die Berge, einer an die Quelle: „Als Kinder sind wir oft zur Quelle unseres Dorfbaches hinaufgewandert, um dann fasziniert vor der dunklen Höhle zu sitzen, aus der das Wasser herausgesprudelt ist. So möchte ich auch Euch, liebe Schwestern und Brüder, […] einladen, zur Quelle zurückzuwandern, sich vor sie hinzusetzen, still zu werden, zu staunen, zu horchen, zu schauen und zu trinken und dann mit neuer Glaubensfreude weiterzugehen. Denn diese Quelle der Heiligen Schrift bricht aus den unfassbaren, unergründlichen Tiefen der Ewigkeit hervor: In ihr und in ihren Worten ist Gottes Geist am Werk.“2

„Gott landet leise – nicht nur in der Krippe, auch in unseren Herzen. In jeder echten Selbsterkenntnis, in jedem Sinneswandel, in jedem guten Gedanken, in jedem Erwachen von Liebe und Einfühlung, in jedem Entschluss zu helfen, landet Gott in unseren Herzen – fast immer leise.“3

„Du und ich wir wandern. Und immer geht’s irgendwo hin. Von einem Ort zum andern. Wo wir sein könn‘ wer wir sind.“

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Text und Bild: Birgit Hoyer, Mitglied der Redaktion feinschwarz.net

 

  1. alle Zitate sind diesem Songtext entnommen: Songwriter: Nena Kerner; Songtext von Wandern © Warner Chappell Music, Inc.
  2. Reinhold Stecher, Hirtenwort „Der Gang zur Quelle“ am 1.3.1990.
  3. Reinhold Stecher, Lichtworte, Innsbruck 2020.
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