Den Umgang mit aussätzigen Menschen in der Tora greift Thomas Söding auf, um mit Klischees gegenüber biblischen Texten aufzuräumen. Er zeigt vor dem Hintergrund der Corona-Maßnahmen, welches Maß von Verantwortung hinter Formen der Quarantäne stehen kann und wie weit eine kirchliche Praxis dahinter zurückfallen konnte.

Krisen sind außergewöhnliche Zeiten, weil sie Schlaglichter auf Zusammenhänge werfen, die Vergessenes, Verdrängtes und Verschämtes offenbaren. Die Corona-Krise offenbart eine Pastoralmacht, die der Staat hat und derzeit auch stark beansprucht, die allerdings auch die Kirche beansprucht, aber gerade derzeit nicht hat.

Angesichts des Coronavirus‘ verändert sich vieles. Das Ungewisse, Unvorhersehbare macht Angst. Die Ereignisse überfordern, lassen rat- und hilflos zurück. Leid-Erfahrungen wie diese erzeugen vor allem eines: die Sehnsucht nach einer besseren, durchschaubaren, geordneten Welt. Die biblische Schöpfung ist so eine geordnete Welt, entworfen als Aufschrei gegen das Leid. Von Elisabeth Birnbaum.