Fluchtort Schweiz

Aus einem Ort, den der Theologe Thomas Staubli als „Asyl-Festung“ bezeichnet, schildert er seelsorgerische Eindrücke.

Das Bundesasylzentrum von Giffers (Kanton Freiburg, Schweiz), in dem ich seit einem knappen Jahr als Seelsorger tätig bin, ist eine Folge der vom Schweizer Volk gewünschten beschleunigten Asylverfahren. Es ist ein «Ausschaffungszentrum». Offiziell heißt es «Ausreisezentrum». Das klingt schon fast nach Ferien.

Die Festung

Den Bus nach Plaffeien via Marly und Giffers müssen Sie im Bahnhof von Fribourg nehmen, falls Sie die Festung mal besuchen wollen. Rund zwanzig Minuten später steigen Sie bei der Station Guglera-Eichholz aus. Gleich gegenüber der Käserei mit dem geparkten Auto des polnischen Gastarbeiters steigen Sie den Berg hinauf. Doch, doch, es gibt da ein Treppchen, grade breit genug für eine Person, nur ist das Hinweisschild so verwittert, dass es kaum mehr leserlich ist und außerdem zeigt es in die falsche Richtung und das Gras ist so hoch, dass man die Stufen nicht sieht.

Ein Gebäude – gewalttätig fast

Falls Sie bei Eis und Schnee kommen, kann ein Stock oder Pickel vor Fehltritten bewahren. Oben angekommen geht’s links dem Hang entlang, dann rechts auf die Landstraße. Nach zwanzig Minuten zügigem Fußmarsch sind Sie da. Der achtstöckige Komplex ist nicht zu übersehen. Gewalttätig fast kontrastiert er zu den uralten Eichen am Weg, zu den kreisenden Milanen und zu den Kühen auf den satten Wiesen des Freiburger Voralpenlands. Umgeben ist er von einem hohen Stacheldrahtzaun mit Knick gegen außen zur Abwehr terroristischer Bauern. In den Ecken stehen Kameras mit nach innen gerichteten Augen zur Kontrolle der abgewiesenen Asylsuchenden, die hier ihre letzten Wochen in der Schweiz verbringen.

Buntes Betreuungsvolk

Vier Firmen kümmern sich um die Aufgaben in der Festung: Securitas sichert, ORS (eine in der Schweiz, Österreich, Deutschland und Italien tätige, gewinnorientierte Holding AG) betreut, Honegger putzt und installiert, Caritas berät. Dazu kommt das Catering einer lokalen Firma. Auch ohne die Asylsuchenden wäre das menschliche Leben hier sehr bunt. Die meisten Mitarbeitenden haben nämlich einen Migrationshintergrund.

Eine Festung – gewissermaßen außerhalb der Schweiz

Sie oder ihre Eltern kommen aus Albanien, Tunesien, Ägypten, Libanon, Elfenbeinküste, Madagaskar, Kongo, Angola, Iran… Ihre Sprach- und Mentalitätskenntnisse erleichtern den Alltag. Sie bauen wertvolle Brücken. Allein ihre Gegenwart mindert das Fremdheitsgefühl der Asylsuchenden. Gleichzeitig verstärkt es allerdings auch die unübersehbare Tatsache, dass die Festung ein Ort ist, der sich in gewisser Weise außerhalb der Schweiz befindet — irgendwo zwischen dem erhofften Paradies und der Hölle, aus der man geflohen ist. Ein Ort, wo andere Regeln gelten.

Abfangende Seelsorge

Die Seelsorge ist eine Zaunreiterin im Zentrum. Anders als in anderen Asylzentren ist ihr der Zugang zu den Aufenthaltsräumen der Asylsuchenden, selbst zu den Gebetsräumen, untersagt. Die Menschen im Zentrum müssen aufgrund der Aushänge den Weg in die Seelsorge selber finden. Aber vielen Migranten ist die Welt des Gedruckten fremd. So versuchen mein reformierter Kollege und ich Erstkontakte zu knüpfen, wenn die Menschen auf dem Weg zur Mensa an unserer Türe vorbeikommen. Im Gegensatz zur normalerweise praktizierten aufsuchenden Seelsorge müsste man in diesem Fall von abfangender Seelsorge sprechen.

Für einen Moment die Sorgen vergessen

Umso mehr gilt es, den Genius loci des abgelegenen Ortes in der wunderbaren Voralpenlandschaft zu nutzen. Wenn immer möglich lade ich die Menschen zu Spaziergängen ein. Das Unterwegssein in der Natur beflügelt ihre Zungen und erleichtert ihre Seelen. Der kurdische Vater zum Beispiel, mit seinem autistischen Sohn, folgt meinem Vorbild und beginnt eine Schneekugel zu wälzen. Dann setzen wir die Kugeln aufeinander und verzieren sie zum Schneemann. Vor der Kulisse der tief verschneiten Kaiseregg gibt’s ein Gruppenbild mit Schneemann. Kalte Hände, lachende Gesichter und erwärmte Herzen lassen für einen Moment alle Sorgen vergessen.

Trauerarbeit

Asylseelsorge ist Trauerarbeit. Sie nimmt ernst, dass gegenüber immer ein Mensch[1] ist und gibt den kleinen und großen Schicksalsschlägen Raum, die wir uns so meisterhaft vom Leib halten, indem wir Erdoğan hofieren, damit er die Flüchtlinge bei sich behält oder indem wir das Verbot von Hilfsschiffen auf dem Mittelmeer tolerieren und die Außengrenzen des Schengenraumes immer dichter machen.

Plötzlich fließen Tränen

Beispiel Abdoul-Nimbo* aus Burkina Faso: «Meine Mutter hat Beschneidungen durchgeführt. Dabei ist ein Kind gestorben. Sie kam in Konflikt mit dessen Angehörigen. Sie starb in einem Spital. Nach ihrer Beerdigung wurde ich gemobbt. Ich muss um mein Leben fürchten. Ich floh. Ich kann nicht zurück. Ich habe Angst.» Der 23-jährige Abdoul-Nimbo, der seinen Vater nie kennengelernt hat, hat keine Verwandten, die sich um ihn kümmern könnten. Ich frage ihn nach seinem glücklichsten Moment. Er erzählt von seiner Mutter, ihrer Liebe und der einfachen Küche in Armut, ihren Ratschlägen, die sie ihm mit auf den Weg gab, wie sie ihm auf dem Sterbebett sagte, er sei gesegnet und werde immer beschützt werden. Plötzlich fließen die Tränen. Er erzählt weinend weiter. Ich halte seine Hand.

Viele sind schon Jahre unterwegs

Viele junge Westafrikaner sind schon Jahre unterwegs und wurden in Nordafrika schamlos ausgenützt. Was sie dort erlebt haben, deuten sie oft nur an. Einige aber tragen die Narben davon sichtbar am Körper oder sind gar behindert. Jene, die das Mittelmeer auf dem Schlauchboot überquert haben, sind fast alle traumatisiert. Sie haben Todesängste durchgemacht.

Ein Lernort

Der Initiative eines ägyptenstämmigen ORS-Mitarbeiters, der an seinem früheren Arbeitsort meine Menschenrechtsarbeit kennengelernt hatte, ist es zu verdanken, dass ich wöchentlich einmal eine Menschenrechtsrunde veranstalten darf. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden ist jedes Mal anders. Wir lesen die Menschenrechte in verschiedenen Sprachen und erklären sie uns gegenseitig. Zeugnisse aus der langen Vorgeschichte der Menschenrechte stossen bei den Teilnehmenden auf besondere Resonanz.

Ein Asylzentrum – auch Ergebnis von Menschenrechtskämpfen

Dass Hammurabi seine Gesetze bereits erlassen hat, um den Schwachen vor dem Starken zu schützen, veranlasst viele, ihr Handy zu zücken und die projizierte Stele, die sich heute im Louvre befindet, zu fotografieren. Ein Bild der Proklamation der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, das vor zweihundert Jahren gemalt wurde, zeigt keine einzige Frau, keinen Schwarzen und keine Indianer, nur weisse Gründerväter. Es bezeugt auf seine Weise, dass in zweihundert Jahren viel passieren kann, wenn man dafür kämpft. Auch ein Asylzentrum, das sich an strenge Regeln halten muss, ist das Ergebnis von Menschenrechtskämpfen. Bei der konkreten Ausgestaltung solcher Zentren gibt es freilich große Spielräume.

Für alle da sein

Die Seelsorge ist nicht nur für die Flüchtlinge da. Gefängnis- und Spitalseelsorgende kennen das auch: Die Mitarbeitenden, besonders die, die nicht bloß nach Vorschrift arbeiten, sind auch froh, wenn sie reden können oder einfach Verständnis spüren.

Trauernd nicht allein sein

Beispiel Amadou*: Als sein Vater in der westafrikanischen Heimat stirbt, ist der ORS-Mitarbeiter Amadou von der Rolle. Ich suche ihn in seiner Wohnung auf, wo er übers Handy seine afrikanische Familie organisiert. Dazwischen gibt er sich ganz seinen Emotionen hin. Trauer ist in Schwarzafrika wie das übrige Leben auch, sehr körperlich. Er richtet mit Hilfe eines Tuches einen Stuhl zum Thron her und stellt das vergrößerte Bild seines Vaters darauf, das ihm eine Kollegin organisiert hat. Ich zünde Kerzen an. Amadou wirft sich vor dem Bild nieder und klagt als stünde er vor dem Leichnam. Es ist schön zu sehen, wie sich Kolleginnen von ORS und Securitas aus dem Zentrum um ihn kümmern. Du brauchst Dir keine Vorwürfe zu machen, sagen sie, Du hast alles getan, was Du konntest. Amadou ist froh, dass er nicht allein ist.

Schon ein Blick tut manchmal gut

Beispiel Amandine*: Die erfolgreiche Karatekämpferin, die bei der männerdominanten Securitas problemlos ihren «Mann» steht, hat ihre Heimatinsel verlassen. Sie staunt heute, wie die Menschen in den ländlichen Regionen ihrer alten Heimat leben. Vielleicht wird sie eines Tages zurückkehren und irgendwo bei den Menschen in der Wildnis ein Projekt anfangen. Jetzt aber betreut sie ihre alte Mutter in der Westschweiz, wenn sie nach einem langen Arbeitstag zurückkommt. Sie freut sich über jedes Gespräch. Dann sprudelt es nur so aus ihr heraus. Aber auch ein Blick oder ein Winken tun manchmal schon gut.

Zivilgesellschaftliches Engagement

«Ich bin erstaunt über diese Menschen, die jede Woche freiwillig zu uns kommen mit Kaffee und Kuchen, um mit uns zu sprechen und zu spielen. So etwas gäbe es bei uns in Afrika nicht.»

Menschen engagieren sich ehrenamtlich

Der Angolaner aus Cabinda, der mir das sagt, ist sehr dankbar für das Engagement der zivilgesellschaftlichen Gruppe «Flüchtlinge willkommen im Sensebezirk», die wöchentlich mindestens einmal präsent ist und mit der Seelsorge den Raum teilt. Diese Menschen sind nicht Funktionsträger eines Systems, sondern Menschen, die bereit sind zur Begegnung mit anderen Menschen. Genau so werden sie wahrgenommen und geschätzt. Dass sie im Zentrum arbeiten dürfen ist eher die Ausnahme im Schweizerischen Asylwesen.

Jeder Franken zählt

An der Wand des Seelsorge- und Zivilgesellschaftsraumes hängt ein Zeitungsausschnitt aus den «Freiburger Nachrichten»: «Asylbewerber polieren das Eis auf dem Schwarzsee.» Ein Bild zeigt schwarze Männer mit Leuchtwesten und großen Besen auf dem gefrorenen See. Ein Nigerianer wird zitiert, der sagt, dass er die Arbeit gerne mache, weil sie ihn wärme. Der Geschäftsführer von Schwarzsee Tourismus, der dem Treiben erfreut zuschaut, macht bei den Zeitungslesenden Werbung für einen Ausflug zum polierten See. Dass die Asylanten für fünf Franken pro Stunde arbeiten, steht nicht im Artikel. Acht mal vier gibt vierzig. Das Maximum, was man pro Tag verdienen kann.

Geld in die Heimat überweisen

Für viele Flüchtlinge ist das nach Wochen oder Monaten des Wartens nicht nur eine Abwechslung, sondern genau das, was sie tun möchten, damit sie ihren Verwandten zu Hause endlich etwas schicken können. Auf dem Heimweg mache ich oft Station bei Western Union oder bei Small World und überweise das Geld, das mir die Männer mitgeben. Fast immer ist es eine Schwester, ein Bruder oder ein Vater in Gambia, Nigeria, Kamerun oder Burkina Faso. Die Afrikaner sind die Fleißigsten, sage ich anderntags zum stämmigen Schweizer Betreuer, der die Männer zum Arbeitseinsatz zusammentrommelt. Er nickt mir zustimmend und vielsagend zu. Heute wird ein Weg in der Nachbargemeinde ausgebessert. Man möchte sie kaum noch missen, diese Heinzelmännchen des 21. Jahrhunderts…

Migrationsnomad*innen

Unter den Asylsuchenden gibt es eine, wie mir scheint, wachsende Gruppe von solchen, die ich als Migrationsnomad*innen bezeichnen möchte. Statistiken dazu fehlen in Europa. Fast immer sind es junge Männer, knapp dreißigjährig, die schon jahrelang unterwegs sind, von Land zu Land pilgernd, die meisten aus Nordafrika. Ein Betreuer, der auch in einem Zentrum für Minderjährige gearbeitet hat, bestätigt meinen Eindruck. Das seien «verlorene Seelen», die in ihrer Pubertät keine Führung gehabt hätten.

Er ist überall zuhause

Angesprochen auf seine Herkunft sagt mir ein junger Nigerianer mit Dread Locks und einem großen goldenen Löwenamulett auf dem fast nackten, durchtrainierten Oberkörper, das sei unwichtig. Er sei überall zu Hause und er sei Gott. Jede und jeder ist für ihn Gott und alles, was ist, ist gut.

Nur mit Mühe sind Ärzt*innen zu finden

Viele dieser jungen Menschen sind gezeichnet vom Leben und bereits krank. Das ist oft der Grund, weshalb sie sich ins schweizerische Asylsystem hineinbegeben. Sie erhoffen sich medizinische Hilfe, die ihnen in der kurzen Zeit wo sie da sind aber meist nur oberflächlich zuteil wird. Das Zentrum hat sogar Mühe einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, der oder die bereit ist, einen Tag pro Woche hier zu arbeiten.

Bella Italia

Jedes Migrationsschicksal, das ich bis heute in der Guglera angetroffen habe, ist erschütternd und beschämend. Denn hinter dem Entschluss, die Heimat zu verlassen und teure oder gefährliche Fluchtwege auf sich zu nehmen stecken unzählige Erfahrungen täglicher Gewalt und Demütigung. Die Summe der Gewalt, die hinter einem einzelnen Migrationsschicksal steckt, entzieht im Grunde jedem Verwaltungsjustizurteil den Boden.

Gegen Migrierende wird gemauert

Dies umso mehr, als die erlittene Gewalt fast immer auch mit der globalen Ökonomie verbunden ist, mit unserem Bedarf nach Rohstoffen, die unter korrupten Verhältnissen abgebaut und gehandelt werden. Die juristischen Haarspaltereien zu lesen, mit denen die Schweiz gegen die Migrierenden mauert, ist für mich weitaus penibler als den Lebensgeschichten der Flüchtlinge zuzuhören.

Jugendliches Alter als Grund für Negativbescheid

Beispiel Ahmad*: Die Eltern in Libyen ermordet, er entführt und nur gegen hohes Lösegeld eines Onkels freigelassen, später wieder verfolgt, angeschossen und endlich zur Flucht übers Mittelmeer gedrängt. Die Habseligkeiten, die er in Lampedusa abgeben musste, hat er später nie mehr zurückerhalten. Die Beweismittel für die Flucht waren damit weg. Ahmad arbeitete zum Dumpinglohn als Mechaniker. Als aber das Salvini-Dekret erging und sein Asylzentrum geschlossen wurde, bat er um Asyl in der Schweiz. In der Ablehnung seines Gesuchs wird unter anderem eine gerichtliche Feststellung aus dem Jahr 2014 zitiert, wonach es keine systemischen Mängel in Italien gebe. Außerdem wird dem Antragsteller sein jugendliches Alter und seine gute Gesundheit als Grund für den Negativentscheid vorgehalten. Wenn er in der Heimat an Leib und Leben gefährdet sei, so könne er in Italien Antrag auf einen permesso di soggiorno per «protezione speciale» stellen…

Carpe diem!

Je länger die Migrantinnen und Migranten schon unterwegs sind, desto mehr haben sie das Bedürfnis, einfach zu leben. Da, wo das Schicksal sie gerade hinverschlagen hat, sind sie zu Hause. Sie sind dankbar für jede Freundlichkeit, jeden Moment des Glücks.

Sie staunt über die Schweizer Kühe

Zum Beispiel Aischa*. Die Somalierin mit dem gütigen Gesicht und den langen bunten Gewändern ist ohne Eltern aufgewachsen. Eine Schule konnte sie nicht besuchen stattdessen musste sie Tiere weiden. Unter unsäglichen Gefahren ist sie vor dem Terror der Schabab-Milizen geflohen und über Äthiopien, Sudan, Libyen und Italien in die Schweiz gelangt. Unterwegs musste sie unter anderem mitansehen, wie eine Gefährtin in einer Flussfurt von einem Krokodil überfallen und gefressen wurde. Unsere Sprache ist ein unbeschreibliches Esperanto aus Italienisch, Arabisch und Englisch mit viel Gestik und Mimik. Mit dieser freundlichen Hirtin mache ich einen Ausflug durchs tief verschneite Freiburgerland zum nächsten Stall. Sie staunt über die vielen Kühe und fängt gleich an, sie zu füttern. Der Anblick der Tiere, ihr Geruch und ihre Wärme erfüllt sie mit Glück.

Drei Jahre in griechischen Flüchtlingslagern

Zum Beispiel Hischam*. Der neunjährige Junge aus dem zerstörten Mossul mit den pechschwarzen Haaren hat einen bezwingenden Charme. Er könnte problemlos ein ganzes Fußballstadion unterhalten. Drei Jahre seines jungen Lebens verbrachte er in griechischen Flüchtlingslagern. «Wie war es dort?» «Shitty.» Sein Englisch ist akzentfrei amerikanisch. Mittels Internet hat er es sich selbst beigebracht. Er spricht nicht nur griechisch, sondern auch arabisch wie seine Mutter und kurdisch wie sein Vater. In der Guglera-Schule lernt er Französisch. In drei Tagen habe er Geburtstag. Er habe bei Migros ein fernsteuerbares Auto gesehen. Es koste nur dreissig Franken, aber seine Eltern hätten kein Geld. «Hmm…», sage ich, «an Deinem Geburtstag bin ich nicht da, aber nächste Woche feiere ich speziell mit Dir.»

(*Alle Namen in diesem Artikel sind verändert.)

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Autor: Thomas Staubli, *1962, ist kirchlich bezahlter Asylseelsorger im Bundesasylzentrum von Giffers und Dozent für Altes Testament an der Universität Fribourg

Foto: Thomas Staubli

[1] «Gegenüber ist immer ein Mensch» lautet der Titel der interreligiösen Erklärung zu Flüchtlingsfragen, die am 7. November 2018 in Bern von den Vorsitzenden des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK), der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), der Christkatholischen Kirche Schweiz (CKS), der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS) und der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (KIOS) unterzeichnet, vom Schweizerischen Rat der Religionen (SCR) veröffentlicht und vom UNHCR Büro für die Schweiz und Liechtenstein unterstützt wurde.

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