An den Adventssonntagen dieses Jahres präsentieren wir Gedichte aus dem Band Portolan der Dichterin Daniela Danz. Diese Gedichte sind nicht für den Advent verfasst, gleichwohl knüpfen sie an religiöse Motive an. Inspiriert sind sie vom sufistischen Sema-Ritual, in dem sich Derwische bis zur Ekstase um sich selbst drehen. Die Gedichte vollziehen diese Bewegung nach.
ICH HABE MEIN LEBEN AUF DIE SCHWELLE GESETZT
und ihm befohlen zu warten
ihm befohlen zu warten
bis ich es wieder an mich nehme
bis ich es wieder an mich nehme
wie eine Münze
eine Münze
die ich unverhofft finde
nicht weiß wofür ich sie ausgeben soll
wofür ich sie ausgeben soll
wenn alles was ich damit kaufe
alles was ich kaufe
zu teuer bezahlt ist
bezahlt mit
meinem auf der Schwelle wartenden Leben
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Dr. Daniela Danz lebt als freie Autorin in Kranichfeld/Thüringen. Sie schreibt Lyrik, Romane, Essays und Übersetzungen, arbeitet mit Komponist:innen und Filmemacher:innen zusammen und verfasst Opernlibretti. Danz studierte in Tübingen, Prag, Berlin und Halle/Saale und promovierte über Krankenhauskirchenbau. Sie ist Vizepräsidentin der Akademie der Wissenschaft und der Literatur Mainz.
(Foto: Roger Hagmann)
Beitragsbild: pexels.com
Text: Daniela Danz, Portolan. Gedichte © Wallstein Verlag, Göttingen 2025.


