Leserbrief zu Philomena Holfelds Gedicht „Die Reflektantin, die“

Obwohl dem Gedicht von Philomena Holfeld aufgrund eines Fehlers der Redaktion der Schlussteil fehlte, inspirierte es zu einer spontanen Reaktion. Im Anschluss lesen Sie das Gedicht in voller Länge.

An Philomenen

 

Was trafen Ihre Zeilen mich ins Mark,

oder vielleicht ins Herz – wo ich doch von Zeit zu Zeit 

die Gotteskindschaft meiner selbst wähne …

 

Tief verschüttet unter den Episoden, den Kapriolen

und Zerwürfnissen einer Kirche, die heller im Licht steh‘n

als das Zeugnis seiner, und ihr,

die vieles nicht anerkennt. 

 

Sein wir ehrlich: allein das Wort gibt die Façon; Gotteskindschaft.

Da gibt es also Vater und Mutter, oder stunden etwa

der zween beyde: Mütter und Väter?

 

Es soll das engste Band sich zeigen, weshalb wir keine Cousinen Gottes genannt sein sollen. Keinesfalls natürlich Tanten und Oheime. Des Höchsten Höhe, in unserer tiefsten Tiefe, passt nicht in flache Hierarchie.

Da bleibt mir oft der Rat im Halse stecken —-

 

Ein halbes Jahrtausend nachdem uns Luther aufs Maul geschaut 

und die Kunde Gottes an die Brust gelegt hat,

dass wir sie säugten und wiedergebirten,

ist ausgerechnet das Wort zum Gefängnis geworden.

 

Sie, er, es – ihm, ihr, seins. Wort dessen Kraft oft unterschätzt,

vielfach missbraucht, zur Waffe gegen uns selbst wird.

Als ob es nicht nur ein Statthalter sei, einer, der wie alles 

bei seiner Wiederkunft zu Gericht stünde.

 

Auch die Männerbünde, purpurn und magenta, den Weißen nicht zu vergessen, werden dort sein. Seit an Seit mit uns Unmündigen, geoffenbartes Wort im niedrigen Fleisch.  –

Was für ein Schwachsinn mag da ein Ferner denken.

 

Die Kirche, sie schmeckt nicht nach ihm und nicht nach ihr. Sie ist ein verschwisterter Spross einer alten Familie, deren Auswüchse wir oft beklagen. Als wären es nur die Christen, nein, die Großfamilie ist‘s auf die wir uns besinnen könnten. 

 

Dazu wäre gut zu wissen, wer ,wie, was wir selber sind, sein mögen, zu werden verbieten und zu träumen nicht wagen.

Mutige Freundin, dich grüß ich also!

 

Zelot

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Text: DKM Simon Daubhäußer, Dekanatskirchenmusiker der Kath. Stadtkirche Dortmund

Reflektantin, die

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