Ein Hackathon zur Entwicklung kirchlichen Lebens – ein Interview mit Anna-Nicole Heinrich

 

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie lässt sich kollektiv und dezentral die Gestalt kirchlichen Lebens weiter entwickeln. Wolfgang Beck hat dazu mit Anna-Nicole Heinrich gesprochen, die am nächsten Wochenende mit vielen Engagierten ein Projekt startet.

Anna-Nicole Heinrich studiert „Digital Humanities“, sie ist 23 Jahre alt und vertritt die Evangelische Jugend in Deutschland im Rahmen der EKD-Synode. Wir haben über ein aktuelles Projekt gesprochen, das vom 3.-5. April 2020 in Deutschland stattfinden soll und den geheimnisvollen Titel „#glaubengemeinsam Hackathon“ trägt.

In 48 Stunden dezentral an Themen arbeiten

feinschwarz:   Ihr startet am nächsten Wochenende das Projekt „#glaubengemeinsam Hackathon“. Kannst Du erläutern, worum es dabei geht?

Anna-Nicole:   Wir wollen mutig und innovativ an Ideen arbeiten wie Glaube, Gemeinde und Gemeinschaft vor Ort – egal ob analog oder digital – gelebt werden kann. Ziel des Hackathons ist es, dass wir nach 48 Stunden möglichst vielfältige Ergebnisse rund um #glaubengemeinsam entwickelt haben. Was dabei als Ergebnis am Ende steht ist den Teilnehmer:innen selbst überlassen. Wir haben schon einige tolle Ideeneinreichungen und sind uns sicher, dass am Ende des Hackathons tolle Ergebnisse veröffentlicht werden. Hackathon beschreibt dabei eigentlich nur die Methode. Wir werden allen Teilnehmer:innen eine einfache digitale Arbeitsumgebung zur Verfügung stellen, so dass jeder von zu Hause aus mitmachen kann. Dort werden sich die Teams finden, an ihren Ideen arbeiten, vielleicht auch Videocalls machen und gemeinsam überlegen was sie am Ende des Hackathons einreichen. Den genauen Ablauf des Hackathons bekommen alle kurz vor Start. Unser Schwerpunkt liegt auf der Fragestellung, wie Glaube heute gemeinsam gelebt werden kann. Also sollte sich an dieser Stelle niemand abschrecken lassen von der „digitalen Arbeitsumgebung“, die ist einfach dafür da, alle Teilnehmer:innen zu verbinden, auch wenn die im ganzen Land verstreut sind.

Wir hoffen auf die Crowd

feinschwarz:   Wie ist es zu Eurem Projekt gekommen? Was ist Dein persönliches Anliegen dabei?

Heinrich:         Vor einer Woche hatte ich die Idee einmal in einer Gremiensitzung eingespielt. Kurz drauf haben wir, die EKD Jugenddelegierten gesagt: „Lasst uns das einfach selbst in die Hand nehmen und umsetzen!“ Dann haben wir zusammen einfach drauf los gearbeitet und tada, genau 7 Tage nachdem die Idee das erste Mal auf den Tisch gekommen ist, ist auch schon unsere Homepage online gegangen. Das Anliegen des ganzen #glaubengemeinsam-Teams ist es zu allererst, vielen tollen Leuten mit ihren vielen tollen Ideen einmal ein Format zu bieten, wo sie an ihren Ideen mit Anderen zusammen weiter denken können. Weiter wollen wir diesen tollen Ideen natürlich am Ende auch öffentliche Plattform bieten. Wir wollen das jetzt einfach mal machen, vielleicht ist das auch alles ein bisschen zu groß gedacht, aber wir hoffen einfach auf die Crowd, die unsere noch kleine Idee von dem was raus kommt mit Themen füllt.

Die Jugenddelegierten der EKD-Synode

feinschwarz:   Welche Akteur*innen oder Institutionen verbergen sich denn hinter dem Projekt?

Anna-Nicole:   Der Hackathon #glaubengemeinsam wird veranstaltet von den Jugenddelegierten in der Synode der Evangelischen Kirche (EKD) in Kooperation mit der Evangelischen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi), dem Fresh X Netzwerk e.V., dem Bistum Hildesheim und Barcamp Kirche Online. Unterstützt wird der Hackathon von den evangelischen Landeskirchen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Schirmherrschaft für #glaubengemeinsam übernommen.

feinschwarz:   Was würde nach Deiner Einschätzung im günstigsten Fall am nächsten Wochenende passieren?

Anna-Nicole:   Im günstigsten Fall finden alle Teilnehmer:innen eine Idee, also eine Herausforderung zu Beginn des Hackathons, an deren Ausarbeitung sie sich gerne 48 Stunden beteiligen. Wir hoffen, dass alle auf tolle Leute stoßen und neue Bekanntschaften und Kontakte schließen können. Bei einem Hackathon geht es voll ums Team, also hoffe ich, dass wir tolle Teams haben werden, die aufbauend auf unserer Fragestellung tolle Projekte entwickeln.

Ein Projekt nicht trotz,
sondern in der Corona-Krise

feinschwarz:   Euer Projekt findet mitten in der Corona-Krise statt. Kann alles, was bisher geplant war, mit digitalen Medien organisiert werden? Oder gibt es auch bei Euch notwendige Einschränkungen?

Anna-Nicole:   Unser Projekt ist an dem Tag entstanden als bei mir in Bayern die Ausgangsbeschränkungen bekannt geben worden sind. Somit haben wir nie an physische Teilnahme gedacht. Also ja alles ist möglich, wir müssen auf nichts verzichten. Mit den Plattformen, mit denen wir arbeiten werden, ist es auch möglich Videocalls zu machen, so dass hoffentlich trotz der Digitalität des Projektes in den Teams auch persönliche Bindung entstehen kann.

Wie kann Glaube heute
gemeinsam gelebt werden?

feinschwarz:   Muss ich irgendwelche Voraussetzungen erfüllen, um mich überhaupt beteiligen zu dürfen? 

Anna-Nicole:   Nein! Alle die Lust haben, können sich an unserem Hackathon beteiligen. Aber naja, so ein paar formale Sachen braucht es dann doch. Die Teilnehmer:innen brauchen vom 03.-05. April Zeit teilzunehmen, einen Computer und eine Internetverbindung. Weiter sollten natürlich alle Interesse an der Fragestellung „Wie kann Glaube heute gemeinsam gelebt werden?“ mitbringen. Sonst aber wirklich nichts, jeder bringt sich mit den Skills ein, die er hat, egal ob technisch, inhaltlich oder einfach persönlich. Und natürlich auch egal welche Konfession die Teilnehmer:innen haben, wir wollen wirklich alle erreichen, die einfach Lust haben mitzudenken. Niemand sollte sich scheuen sich anzumelden, auch wenn er noch nicht bei sowas mitgemacht hat. Wir werden das alles so engmaschig begleiten, dass wir hoffentlich auch allen die nötige Unterstützung bieten können, sich zurecht zu finden.

Teams entscheiden über ihre Themen

feinschwarz:   Auf Eurer Internetseite können sich noch Interessierte aktiv an dem Projekt beteiligen und anmelden. Welche unterschiedlichen Formen sind dafür vorgesehen?

Anna-Nicole:   Genau, man kann sich einfach als Teilnehmer:in anmelden. Das heißt, man hat am Wochenende 03.-05. April Zeit mitzuarbeiten. An welchem konkreten Team die Teilnehmer:innen arbeiten wollen, können sie sich dann zu Beginn des Hackathons selbst raus suchen. Wie das funktioniert, erklären wir allen Angemeldeten dann kurz vorher. Da es viele Leute gibt, die schon Ideen haben, kann man auch als Ideengeber:in teilnehmen. Dass heißt, dass man sich zusammen mit einer Idee bewirbt, die man bei der Bewerbung ganz kurz beschreibt. Die Idee wird dann allen zur Verfügung gestellt um gemeinsam daran zu arbeiten. Auch gibt es noch die Möglichkeit sich als Mentor:in zu bewerben, hier wollen wir alle ansprechen, die sich mit neuen Gemeindeformen, Erprobungsräumen oder „Kirche neu denken“ auskennen. Die werden alle anderen während des Hackathons unterstützen wo sie können und sind im Nachgang zum Hackathon vielleicht auch Ermöglicher:innen für reale Umsetzungen.

Themen eine Sichtbarkeit geben

feinschwarz:   Was würde nach Deiner Einschätzung im günstigsten Fall nach dem nächsten Wochenende passieren?

Anna-Nicole:   Im besten Fall schaffen wir es allen Ideen, die während des Hackathons bearbeitet werden, Sichtbarkeit zu verleihen, damit sie in unseren Kirchen und Gemeinden mehr Raum gewinnen. Weiter hoffen wir, am Sonntag zurückblicken zu können und zu sehen, dass einfach alle Teilnehmer:innen super viel Spaß hatten, neue Leute kennengelernt haben und Kontakte geknüpft haben. Wir wollen den Leuten auch in diesen Zeiten wo so viel still steht und an so vielen Stellen inhaltlich nicht weiter gedacht werden kann, einfach ein bisschen Zuversicht geben, dass es weiter geht.

feinschwarz:   Ganz herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Euch viele Teilnehmer:innen und überraschende Ergebnisse!

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Autor: Wolfgang Beck ist Mitglied der feinschwarz-Redaktion, Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Homiletik an der PTH Sankt Georgen, Frankfurt/M.

Foto: William White / unplash.com

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