Sommer 2026 – Halbzeit zwischen dem Ende der Weltsynode 2024 und der Kirchenversammlung 2028. Wo stehen die Ortskirchen? Was machen sie für Erfahrungen? Welches sind die Herausforderungen? Wohin geht die synodale Reise? Feinschwarz.net hat dazu Stimmen aus verschiedenen Kontinenten eingeholt. Als erste kommt Sr. Anne Béatrice Faye aus dem Senegal zur Sprache. Sie verknüpft ihre Erfahrungen mit ihrem Einblick in den weltkirchlichen synodalen Prozess [*].
Seit Oktober 2021 ist die ganze Kirche auf einem von Papst Franziskus eingeleiteten, beispiellosen synodalen Weg. Dieser Prozess, der bis 2028 dauert, zielt auf eine tiefgreifende pastorale und spirituelle Umkehr, indem er die Art und Weise verändert, wie die Kirche ihre Sendung lebt. Es handelt sich nicht um ein punktuelles Ereignis, sondern um eine fortdauernde Dynamik, die jede Ortskirche einlädt, die Synodalität zu einer konstitutiven Dimension ihres Seins zu machen.
«Der synodale Prozess endet nicht mit dem Abschluss der aktuellen Versammlung der Bischofssynode, sondern umfasst auch die Umsetzungsphase. Als Mitglieder der Versammlung fühlen wir uns verpflichtet, sie als synodale Ausgesandte in den Gemeinschaften, aus denen wir kommen, zu fördern. Die Ortskirchen werden gebeten, ihren täglichen Weg mit einer synodalen Methodik der Beratung und des gegenseitigen Zuhörens fortzusetzen und konkrete Wege und Bildungsmöglichkeiten zu finden, um eine greifbare synodale Umkehr in den verschiedenen kirchlichen Kontexten (Pfarreien, Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens, Bewegungen von Gläubigen, Diözesen, Bischofskonferenzen, kirchliche Zusammenschlüsse usw.) herbeizuführen.» (Schlussdokument Nr. 9)
Es geht darum, gemeinsam zu gehen, zu hören, zu unterscheiden und sich vom Geist führen zu lassen. Von der Hierarchie gehen wir zu einer Geschwisterlichkeit über. Wir erkennen uns als Brüder und Schwestern an, die um denselben Tisch sitzen. Die wahre Herausforderung für die Kirche in Afrika besteht darin, uns auf das Fundament unserer Taufe zu stellen, die uns gleich an Würde und mitverantwortlich für die Sendung macht. Die gemeinschaftliche Unterscheidung verlangt, dass wir, wenn wir versammelt sind, allen Stimmen Gehör schenken, besonders denen der Jüngeren, denn sie eröffnen neue Wege für die Zukunft der Kirche.
Drei Kontexte des Engagements auf meinem synodalen Weg
- zwischen meinen senegalesischen Wurzeln und meinem Einsatz in Burkina Faso;
- durch mein Engagement am Ökumenischen Institut Al Mowafaqa in Rabat, Marokko, wo ich die «Porosität der Kirche», die Ökumene und den interreligiösen Dialog in Nord- und Subsahara-Afrika entdeckt habe;
- durch mein Engagement als Frau, die sich der Rolle und des Platzes der Frauen in der Kirche in Afrika bewusst ist.
Zudem schenke ich der Rolle der Jugend und der Bedeutung des Digitalen für die heutige Sendung der Kirche besondere Beachtung.
Die Synodalitätsschule von Dakar: ein lebendiges Laboratorium
In diesem Rahmen entstand die Synodalitätsschule von Dakar, eine Pionierinitiative, die eine neue Weise verkörpert, in Afrika Kirche zu sein. Diese Schule beschränkt sich nicht auf blosse Konsultationen oder offizielle Dokumente, sondern bietet eine innovative Pädagogik, die auf bildenden, ausbildenden und gemeinschaftlichen Praktiken beruht. Sie führt Kleriker, Ordensleute, Laien, Musliminnen und Muslime, Junge und Erwachsene, Frauen und Männer, Menschen in prekären Situationen oder mit Behinderungen zusammen, um gemeinsam zu lernen, Synodalität als Kunst des Gehens im Glauben zu leben.
Über die Vermittlung von Inhalten hinaus schafft diese Schule konkrete Erfahrungen: partizipative Workshops, Bildungsmodule, Gebets- und Unterscheidungszeiten, interkulturelle Austausche. Sie ist ein wahres lebendiges Laboratorium, in dem Hören, Schweigen, Teilen und die Anerkennung der Vielfalt im Zentrum des Vorgehens stehen. Diese Praxis der Gemeinschaft trägt dazu bei, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, besonders im afrikanischen Kontext.
Die Synodalitätsschule steht vor mehreren grossen Herausforderungen:
- die wirksame Beteiligung der Jugendlichen, der Frauen und der ländlichen Gemeinschaften zu sichern;
- den kirchlichen Akteurinnen und Akteuren eine angepasste Ausbildung anzubieten, um synodale Prozesse zu begleiten;
- die weltkirchlichen Ziele der Synode mit den lokalen Wirklichkeiten zu verbinden, unter Wahrung der kulturellen Sensibilitäten und der spezifischen Erwartungen der Gläubigen.
Ergebnisse und Perspektiven
Die Ergebnisse sind vielversprechend. Wir erleben einen zunehmenden Mut zur freien Rede, die Befähigung der Teilnehmenden, das Auftauchen neuer Verantwortungsträger:innen und die Stärkung des interreligiösen Dialogs. Die gesammelten Zeugnisse zeigen, dass die Synodalität nicht nur als Methode, sondern als wahre Spiritualität gelebt wird. Trotz institutioneller und kultureller Widerstände schreitet die Bekehrung der Mentalitäten mit Geduld und Mut voran.
Die Synodalitätsschule von Dakar eröffnet so ermutigende Perspektiven für die Kirche im Senegal und darüber hinaus. Sie schlägt eine erprobte Methodik vor, die andere lokale Initiativen inspirieren, nationale und kontinentale Versammlungen nähren und einen spezifischen Beitrag zum afrikanischen Weg leisten kann. Zu den Beiträgen Senegals gehören eine dynamische Jugend und ein vorbildliches interreligiöses Zusammenleben.
Die Erfahrung der Synodalitätsschule zeigt, dass die Synodalität eine lebendige Wirklichkeit ist, die Gemeinschaften verwandelt, Inklusion, Dialog und Mitverantwortung fördert. Sie lädt die Kirche in Afrika ein, diesen Weg mit Vertrauen und Ausdauer fortzusetzen und Widerstände durch Kreativität und Engagement zu überwinden. Im Vorfeld der kirchlichen Versammlung von 2028 kann Afrika eine starke, junge und inklusive Stimme einbringen, die fähig ist, die Kirche zu erneuern, indem sie sich auf den Reichtum ihrer kulturellen und spirituellen Vielfalt stützt.
Der Platz der Frauen in der Synode und in der Kirche – eine Erfahrung von anderswo
Im senegalesischen und allgemeiner im afrikanischen Kontext bleibt der Platz der Frauen in der Kirche noch begrenzt. Sie werden oft für organisatorische Aufgaben angefragt oder beteiligen sich als Lektorinnen, Chormitglieder oder Ministrantinnen. Viele engagieren sich aktiv in den Bewegungen der Katholischen Aktion und in den christlichen Basisgemeinden. Einige beteiligen sich auch an der Priesterausbildung.
Es sei festgehalten, dass die Teilnahme der Frauen an der Synode im Oktober 2023–2024 eine wichtige Etappe im synodalen Prozess der Kirche markiert hat. Zum ersten Mal wurde eine bedeutende Anzahl von Frauen (56) einbezogen, darunter Ordensfrauen, Theologinnen, Kirchenrechtlerinnen sowie Frauen mit Leitungsfunktionen in ihren Diözesen oder Vereinigungen. Einige haben sich klar für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche eingesetzt, ein Zeichen tiefgreifender Veränderung. Diese Entwicklung zeigt, dass die Frage des Platzes der Frauen nicht mehr nur von ihnen selbst getragen wird, sondern zu einem Anliegen der ganzen Kirche geworden ist. Dank meiner Teilnahme habe ich beobachtet, dass sich die Frauen ihrer Würde und ihrer Leadership-Qualitäten immer bewusster werden und sich weigern, als blosse Instrumente betrachtet zu werden. Sie verlangen, als vollwertige Personen anerkannt zu werden, als Trägerinnen von Frieden und Erneuerung, fähig, das Neue mit Weisheit, Demut und Mut aufzunehmen und so Hoffnung auf eine geschwisterliche Welt zu wecken.
Die Beteiligung der Frauen am kirchlichen Leben hat in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere dank der von Papst Franziskus vorgenommenen Ernennungen in verschiedenen Dikasterien und Wirtschaftsräten des Vatikans. Diese Gesten zeugen von einem gewissen Mut, die noch zu präsente patriarchale Ordnung aufzurütteln. Es ist unerlässlich, die charismatischen Begabungen der Frauen auf allen Ebenen zur Geltung zu bringen, indem die Frauen voll in die Sendung der Kirche einbezogen werden, um die Vielfalt der Charismen widerzuspiegeln, die der Heilige Geist jedem Einzelnen zum Wohl der Gemeinschaft zuteilt.
Die Frage der Diakoninnenweihe ist ein wichtiges und weltweit diskutiertes Thema. Sie wurde in den Synthesen der kontinentalen Versammlungen und während der XVI. Generalversammlung der Bischofssynode erwähnt. Das Schlussdokument der Synode unterstreicht die Notwendigkeit einer diakonischen und geschwisterlichen Kirche, gegründet auf der gleichen Würde aller Getauften, Männer und Frauen, die zu Mitverantwortung auf allen Ebenen berufen sind. Gewiss, es bestehen unterschiedliche Positionen. Einige sehen darin einen Bruch mit der Tradition, andere eine Rückkehr zur Praxis der frühen Kirche. Es ist zu wünschen, dass diese Reflexion Türen öffnet, damit die Frauen ein kirchliches Dienstamt ausüben können und so voll an der Sendung und an den Entscheidungen der Kirche teilhaben. Durch ihr Engagement in der Diakonie, ihre Aufnahme und ihr Hören auf die Ärmsten ist ihre Stimme in den grossen pastoralen, ökologischen und sozialen Fragen gefragt. Wie Papst Franziskus oft sagte: Man kann die Kirche nicht ohne die aktiven Frauen verstehen, die ihre Sendung voranbringen.
In unserem Kontext ist es notwendig, kulturelle und strukturelle Blockaden zu überwinden, indem Bildung, Selbstvertrauen und das Engagement aller in einem Geist der Synodalität gefördert werden, der alle Getauften zusammenführt. Dafür sind die Erstellung von kurzen Sensibilisierungs-Videos in lokalen Sprachen, die Einrichtung eines Synodalitäts-Observatoriums, eine gezielte Bildung der Frauen und die Vervielfältigung dieser Initiativen vor Ort konkrete, vorrangig zu ergreifende Massnahmen.
Schlussfolgerungen
Die Kirche ist grundlegend missionarisch; und darin entfaltet sie sich dank des Beitrags und der Teilnahme aller ihrer Söhne und Töchter an ihrem Leben und ihrer Sendung. Die Sendung der Kirche ist in erster Linie die Sendung Christi, die Verkündigung des Reiches Gottes zur Zeit und zur Unzeit. Die Synodalität erinnert daran, dass alle Getauften Akteure der Sendung des Evangeliums sind. Sie lädt das Volk Gottes ein, seinen Weg mit der ganzen Menschheit zu gehen, im Dialog und im Dienst, um eine universale Geschwisterlichkeit aufzubauen. Dank der Synodalität öffnet sich die Kirche, statt sich auf sich selbst zurückzuziehen, und kann zu einer missionarischen Kirche im Dienst dieser Geschwisterlichkeit werden.
Die Ortskirchen sind eingeladen, zu erkennen, wie und wann den Charismen und Diensten, die die Gemeinschaft bereichern, eine Sichtbarkeit und gemeinschaftliche Anerkennung verliehen werden soll. Um diese Hindernisse zu überwinden, werden mehrere Handlungswege vorgeschlagen. Es ist dringend, biblische und theologische Bildungsangebote in den Pfarreien zu entwickeln, biblische Studienzentren zu schaffen und Frauen in Leitungsverantwortung auszubilden. Zudem ist es nötig, Familien und Gemeinschaften zu sensibilisieren, Kinder zur Geschlechtergleichstellung in häuslichen Aufgaben zu erziehen und die Männer in diesen Bekehrungsprozess einzubeziehen. Die Anerkennung der Kompetenzen der Frauen und ihre wirksame Integration in die Entscheidungsgremien sind zu fördern, ebenso die Wertschätzung ihrer intellektuellen und spirituellen Talente.
—
Prof. Anne Béatrice Faye ist Senegalesin, Ordensfrau der Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau von der Unbefleckten Empfängnis von Castres. Doktorin der Philosophie, Mitglied der ATA (Vereinigung Afrikanischer Theologen). Befasst sich mit der Frage der Förderung der Frau im afrikanischen Kontext. Koordinatorin der Afrikanischen Forschungsgruppe für Interkulturelle Philosophie (GARPI), Professorin am Ökumenischen Institut Al Mowafaqa in Rabat, Marokko. Mitglied der Theologischen Kommission der Synode und Expertin an den Synodalversammlungen 2023–2024. Konsultorin am Dikasterium für den Interreligiösen Dialog seit Januar 2026.
[*]Teil 1 der Serie «Von der Synode 2024 zur Kirchenversammlung 2028 – Zwischenbilanzen aus aller Welt» mit Beiträgen aus Afrika (20.7.), Lateinamerika (22.7.), Nordamerika (24.7.), Europa (27.7.), Naher Osten (28.7.) und Asien (29.7.).
Der Beitrag wird auch in Französisch (original) und Englisch publiziert.
Übersetzung aus dem Französischen mit Hilfe von KI, von Daniel Kosch bearbeitet.
Beitragsbild: École de synodalité Dakar (zVg)

