Offener Brief der OrdensFrauen für MenschenWürde: Zum Synodalen Weg in Deutschland und zur von Papst Franziskus eröffneten Weltsynode 2021-2023

Die Ordensfrauen für Menschenwürde wenden sich mit einem offenen Brief zum Synodalen Weg in Deutschland und zur von Papst Franziskus eröffneten Weltsynode 2021-2023 an die deutschen Bischöfe.

Sehr geehrte Bischöfe in Deutschland,
dieser Brief, der schon eine Zeit lang vorlag, hat durch die Veröffentlichung des Gutachtens zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising vom 20.01.2022 eine noch höhere Dringlichkeit erhalten.

Wir OrdensFrauen für MenschenWürde sind durch die zutage getretenen Verfehlungen von Amtsträgern entsetzt, erschreckt und empört. Die Gründe dafür sind seit langem bekannt und keineswegs nur ein deutsches, auch kein europäisches, sondern ein weltweites Problem.

Hier in Deutschland sollen sie durch die Arbeit des Synodalen Wegs ausführlich besprochen und möglichst beseitigt oder zumindest eingeschränkt werden. Aus diesem Grund unterstützen wir den Synodalen Weg nachhaltig und bitten Sie, die Bischöfe und Weihbischöfe eindringlichst, sich verlässlich zu den einzelnen Beschlussvorlagen zu positionieren und die Reformanliegen mit deutlicher Mehrheit zu unterstützen. Solange es kirchenrechtlich keine Gewaltenteilung und keine wirksame Kontrolle von Macht gibt, ist eine Selbstbindung der Bischöfe unabdingbar.

Der drängende strukturelle Reformbedarf der Kirche wird in dem von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozess in noch größerer Weise offenbar.

Grundsätzlich begrüßen wir einen Aufbruch für eine Erneuerung der Kirche im 3. Jahrtausend. Was meint aber Papst Franziskus genau, wenn er sagt: „Genau dieser Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet“? Denn auch bei der Weltsynode entscheiden letztlich erneut die Bischöfe allein. Wir zweifeln an deren Bereitschaft, die berechtigten Anliegen und Vorstellungen des Volkes Gottes und besonders der Frauen in entsprechender Weise wertzuschätzen und für Reformprozesse fruchtbar zu machen.

Sehr zu begrüßen ist, dass im ersten Schritt des weltweiten synodalen Prozesses ALLE Gläubigen in den Erneuerungsprozess mit einbezogen werden. Dem Volk Gottes wird einerseits eine Schlüsselrolle für das Wirken des Heiligen Geistes zugesprochen, doch andererseits werden dem Volk der Gläubigen kaum Möglichkeiten eingeräumt, an dem Reformprozess auch bis zuletzt erkennbar mitzuwirken.

Wenn das Volk Gottes aber ausschließlich in der ersten Phase gehört wird und es ansonsten keinerlei Mitsprache und Mitbeteiligung an Entscheidungsprozessen hat, dann werden Frauen, die immer Laien sind, damit von jeder weiteren Mitarbeit ausgeschlossen. Auch wenn in den kommenden Phasen der Weltsynode einige wenige Frauen mitarbeiten sollen, z. B. Myriam Wijlens und Nathalie Becquart, so reichen diese Schritte bei weitem nicht aus. Wir sehen nicht, dass die Synode unter diesen Bedingungen „zu einem gesamtkirchlichen Prozess werden (kann) und etwas von ihrem einmaligen, exklusiven und allein bischöflichen Ereignischarakter verlieren (kann)“. (katholisch.de)

So verhindern die Strukturen der Weltsynode ein Mitdenken und eine Mitarbeit aller. Und: Wo bleiben die vielen Frauen, die als getaufte mit der Würde der Gottesfreundschaft ausgestattet sind; wo bleiben Alleinerziehende, Singles, Mütter, Berufstätige, Hausfrauen, Vorbeterinnen, Geldsammlerinnen, Sekretärinnen, Großmütter, Ordensfrauen, Missionarinnen, Theologinnen, Seelsorgerinnen – nicht als Bittstellerinnen, sondern als Christusträgerinnen, denen Gleichberechtigung gebührt? Wie kann es sein, dass eine Institution, die sich auf Jesus beruft, bis heute die Menschenrechtskonventionen nicht anerkannt hat?

Wir halten es deutschlandweit und weltweit für dringend notwendig und für ein Zeichen der Zeit, dass neben dem Thema „sexueller Missbrauch“ auch über „spirituellen Missbrauch“ gesprochen wird. Dieses Verbrechen betrifft alle Laien, jedoch immer Frauen und in besonderer Weise Ordensfrauen.
Ordensfrauen weltweit engagieren sich in den letzten Jahren in besonders starker Weise dafür, die Kirche menschlicher und gerechter zu machen.
Auch wir OrdensFrauen für MenschenWürde erklären uns bereit, an einer erneuerten, gerechten Kirche mitzuarbeiten, die – ganz im Sinne Jesu – allein nach dem Reich Gottes sucht.

Sr. Elisabeth Biela Weiße Schwester, Sr. Renate Drexler MSsR, Sr. Antonia Hippeli OSB, Sr. Johanna Höldrich OSF, Sr. Ulla Mariam Hoffmann OSB, Sr. Mechthild Hommel OSB, Sr. Marzella Krieg Barmherzige Schwester, Sr. Philippa Rath OSB, Sr. Katharina Rohrmann OSB, Sr. Ruth Schönenberger OSB, Sr. Susanne Schneider MC, Sr. Hildegard Schreier MC, Sr. Karolina Schweihofer MC, Sr. Veronika Sube OSB, Sr. Sara Thiel Schwestern vom Göttlichen Erlöser, Sr. Hilmtrud Wendorff CJ

 

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