Bahnhofkirche

Und es gibt sie doch: die Bahnhofkirche am Andersort Bahnhof. Rita Inderbitzin, Bahnhofsseelsorgerin in Zürich, antwortet auf den Beitrag von Birgit Hoyer.

Unscheinbar und doch unverwechselbar finden Sie die Bahnhofkirche am Hauptbahnhof Zürich im Zwischengeschoss, ziemlich genau unter dem Engel von Niki de Saint Phalle, der in der grossen Halle über Reisende wacht. Die einzige Bahnhofkirche der Schweiz ist dem Netzwerk Offene Tür, Lebens- und Krisenberatung in der City – ein Angebot der Kirchen, angeschlossen. „Offene Türen“ gibt es einige im deutschsprachigen Raum. Als Kirche am Weg erfüllen wir eine ganz spezielle Aufgabe.

Birgit Hoyer schreibt in ihrem Artikel: „Der Bahnhof dagegen, kein Ort mit Zeit, kein Ort zum Bleiben – auch nicht für Kirche?“ Unser Motto lautet denn auch: „Der Seele Raum geben und weiter gehen.“ Wir bieten ZeitRaum, GesprächsRaum und FreiRaum. Wir unterscheiden uns von den Bahnhofsmissionen in Deutschland. Zwar finden uns auch Gestrandete und Obdachlose, die wir an soziale Institutionen weiterleiten können, unser Haupt- und Zielpublikum sind jedoch Pendler, Reisende und Angestellte des Bahnhofs.

Wir bieten ZeitRaum, GesprächsRaum und FreiRaum.

Bettler und Banker genießen die Stille in der Kapelle, die interreligiös gastfreundlich ist. An Werktagen gibt es ein Weg-Wort zum Mitnehmen, die Blätter liegen in der Kapelle auf. Auf die Frage: „Was sind Bahnhöfe in dieser permanenten Mobilität?“ antwortet Birgit Hoyer selber: „Start- und Zielpunkt, v.a. Umsteigestationen an Knotenpunkten, in andere Richtungen, auf andere Verkehrsmittel.“

Menschen an Knotenpunkten, auf der Suche nach Richtungswechseln suchen das Gespräch mit uns Seelsorgenden hier am Bahnhof. Menschen aller Religionen und Konfessionen, aus den Landeskirchen Ausgetretene und tief Verwurzelte kommen zum Gespräch, stellen Weichen neu oder bitten um Segen und Gebet.

Kirche am Bahnhof macht Sinn. Eine Besucherin hat die Kirche als Kraftort beschrieben: „Dieser Ort hier, da bekomme ich die Kraft für meine kraftraubende Arbeit; Kraft, dass ich nicht verzweifle.“ Ja, vielleicht gibt es bald noch mehr solcher Kraftorte an Bahnhöfen, mehr Angebote für Menschen die (noch) nicht weiter wissen.

(Text: Rita Inderbitzin; Bild: Tula Roy, Bahnhofkirche am Hauptbahnhof Zürich)

 

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