Sommer, Sonne, Sonnenschein

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Daher wird auch feinschwarz.net etwas kürzertreten. Freuen Sie sich auf einige Tage ohne Beitrag, dafür mit mehr Zeit zur Umsetzung Ihrer persönlichen Urlaubspläne. Doch was wünschen wir uns eigentlich von unserem Urlaub?

Ich wünsche mir von meinem Urlaub, dass ich zuschauen kann, wie meine Kinder lernen. Im Alltag tue ich das natürlich auch, aber wenn wir als Familie Vollzeit zusammen sind, noch intensiver. Der Große hat gerade die erste Klasse abgeschlossen, mit der besten Lehrerin der Welt, in einer wunderbaren staatlichen Montessori-Schule in Kreuzberg. Als ich den Ranzen für sechs Wochen zur Seite stellte, dachte ich kurz: Jetzt hat das Lernen Pause. Aber natürlich nicht. Jetzt erforschen wir die Natur, lesen zusammen weiter den Kleinen Vampir und Mosaik, bedenken hochphilosophische Fragen und sicher werden wir auch mit Eisgeld rechnen. Wie gut, dass das heute gar nicht so anders ist als in der Schule!
Kerstin Menzel

In diesem Jahr wünsche ich mir von meinem Urlaub, dass er eine wahre Bescherung ist und mich mit dem überrascht, was mir zu Hause nicht so schnell wiederfährt. Ich möchte Luft atmen, die anders riecht als die alltägliche Luft einer Großstadt. Ich möchte Lebewesen begegnen, wie ich sie hier nicht so schnell zu Augen und zu Ohren bekomme: Murmelnde Tiere, Waldschrate, Ziegenpetras. Ich möchte an meine Grenzen kommen – vor allem körperlich. Und dann vor lauter „guter“ Erschöpfung krachend ins Bett fallen. Ich wünsche mir von meinem Urlaub, dass ich Zeit und Muße für einen guten Roman habe – mal nicht nur Fachliteratur lesen, das ist Urlaub. Am meisten wünsche ich mir von meinem Urlaub, dass er ein Draußen-Urlaub wird.
Julia Enxing

Ach, ich wünsch mir, dass der Urlaub eine Reise ins Paradies werde, also in ein Land ohne Sorge und Langweile. Was zwar nicht geht, aber man kann es ja mal versuchen.
Näheres:
https://www.feinschwarz.net/die-unstillbare-sehnsucht-nach-dem-paradies/
Rainer Bucher

Ich wünsche mir vom Urlaub, endlich das zu tun, was sonst liegen bleibt. Den zu lesenden Bücherstapel angehen; Freunde besuchen.
Urlaub – das sind für mich mehr Sonnenuntergänge (am besten am Meer, an der kroatischen Küste) als Sonnenaufgänge (da schlafe ich gerne noch und stelle nicht vor 6.00 den neuesten feinschwarz-Beitrag auf Facebook ein).
Urlaub – das ist die Zeit für Radfahrten, Wallfahrten und Wanderungen; das Genießen der Natur und der Sonne auf der Haut.
Und Urlaub – das ist für mich das Kennenlernen neuer Länder, Menschen, Kulturen – und die Freude, heimzukommen und den eigenen Balkon zu pflegen und hier die Seele baumeln zu lassen.
Johann Pock

Ich wünsche mir von meinem Urlaub:
Das Gefühl eines unendlich langen Sommers.
Als Kind erinnere ich das Gefühl zu Schulschluss: Jetzt kommt ein unendlich langer Sommer. Ich weiß heute um das Problem der Kinderbetreuung, damals war das kein Thema. Wir waren die meiste Zeit draußen. Es gab nur ein paar wenige Spielregeln: Nichts kaputtmachen, uns möglichst nicht verletzen, und pünktlich zum Mittag- und oder Abendessen zuhause zu sein. Alles andere war frei. Es war ein Gefühl von Freiheit und Stärke und Gemeinschaft mit anderen Kindern und ganz mit uns und bei mir selbst zu sein. Selbstverständlich gab es manchmal Streit, aber er war lösbar. Und es gab immer ein Weiterspielen nach einem Streit.
Gefühlt war der Sommer unendlich lang.
Helga Kohler-Spiegel

Ich wünsche mir von meinem Urlaub, dass er ist wie ein langer Tag am Meer: die Kraft der Wellen spüren, Tom Clancy lesen, mit den Kindern nach Schätzen tauchen und mit meiner Frau in der Abendsonne ein Nastro Azzuro trinken. Mehr braucht kein Mensch zum Leben.
Christian Bauer

Ich wünsche mir von meinem Urlaub, dass

  • meine Ohren nicht dem Rhythmus der PC-Tastatur folgen, sondern dem Plätschern am Ufer des Sees, auf dem ein Schwan stolz seine Bahn zieht, und dass sie dem Summen der Bienen und dem Abendlied der Amsel lauschen.
  • ich gar nicht in die Ferne ziehen muss, sondern auf einem Platz in der Stadt sitze, und wir einander zuhören und erzählen, ohne auf die Uhr zu schauen.
  • ich früh aufstehen werde und losziehen, ohne zu wissen wohin, und dass das Kleine gross sein wird und die Fremde mir nahe und vieles Geschenk und die Zeit so langsam vergeht, wie sonst nur in der Ewigkeit.

Franziska Loretan-Saladin

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zufällig in lockere Gespräche verwickelt werden

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Unterwegs sein mit leichtem Gepäck. Kein Zögern und Zaudern – einfach ins Blaue hinein.                                                                                                                Reden? Vielleicht. Aber vor allem zuhören, still werden, sehen, riechen, tasten und schmecken.                                                                                                         Leben.                                                                                                                   Ankommen mitten im Sommer:                                                                           Uferlose Tage, schwirrende Schwalben, sonnengereifte Tomaten vom Strauch, sengende Hitze, Wellenrauschen, Gewitterregen, Sternenhimmel, der Duft von Jasmin …                                                                                                                                Bis sich das herrliche Gefühl einstellt, nicht mehr zu wissen, welcher Tag heute ist.                                                                                                                              Katharina Peetz

Sommerpause? Bin ich Beamter?

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr erscheint mir das Konzept Urlaub erfreulich und merkwürdig zugleich. Wer Urlaub hat, hat auch Arbeit. Wer Urlaub macht, lebt im Luxus geordneter Verhältnisse. Wer zum Urlaub in ferne Länder reist, verdient so gut, dass er oder sie es sich leisten kann. Urlaub ist die Auszeit vom (Arbeits)Alltag. Mein Arbeitsalltag fühlt sich oft so an, als ob ich mir in Kantine oder Mensa einen Teller von einem dieser Gestelle nehme, bei denen automatisch von unten der nächste Teller nach oben gedrückt wird. Ist ein Teller, eine Aufgabe der To-do-Liste, abgearbeitet, kommt sofort der nächste nach. Manchmal wird der Druck so groß, dass sogar ein paar Teller herausgeschleudert werden: Manches kann man auffangen, manches geht zu Bruch, manches trifft einen und es tut weh. Urlaub ist die Utopie, dass das alles Pause macht: U-topos: Ohne Ort? Für mich gilt: Wenn ich am Meer bin, dann ereignet sich manchmal genau das: die Brandung und die Unendlichkeit des Horizonts, Zeit zum Lesen und zum weniger eingezwängten Denken und Reden.

                                                                                           Merkwürdig nur die Idee, man könne diese beiden Erfahrungen trennscharf aufteilen: Zwei Wochen Urlaub, dann wochenlang Teller vom Gerät nehmen? Leben ist, wenn beides passiert und auch ineinanderfließt.

Jan Böhmermann in seiner letzten Sendung vor der Sommerpause zu Rezo: „Wir sind jetzt weg in der Sommerpause. Machst du auch Sommerpause?“ Rezo: „Nein, ich hab keine Sommerpause! Bin ich Beamter, dass ich Pause mache?“ Ich bin verbeamteter Theologe. Auch irgendwie seltsam. Im August mache ich Urlaub mit meiner Familie am Meer. Ich bin dankbar und es ist merkwürdig zugleich …                                                                                           Michael Schüßler

Urlaub 2019…

Manche lieben schon das Vorbereiten des Urlaubs. Ich nicht. Ich plane Urlaub nur, wenn es unumgänglich ist. Bei mir muss kein Ziel diskutiert werden. Deshalb einfach das alte Iglu-Zelt in den Kofferraum, eine Tasche mit Klamotten und eine Kiste mit den ungelesenen Büchern und los. Ich weiß, das ist weder sportlich noch ökologisch. Eigentlich ist es nur chaotisch und wird von den Profi-Planer*innen belächelt. Ich könnte versuchen, es als Naturerlebnis zu deklarieren oder als experimentelle Improvisation zur Selbsterfahrung. Das glaubt mir vermutlich niemand. Aber wenn ich im Zelt liege, ist es vor allem: unfassbar erholsam!

Wolfgang Beck

Ich wünsche mir von meinem Urlaub

  • dass die CDs, die während der Fahrt laufen und die ausschließlich von den Kindern bestimmt werden, einigermaßen erträglich sind …
  • dass wir stattdessen wieder gemeinsam unsere Lieblings-NGL singen, wie neulich, als wir während des Schlussgottesdienstes des Kirchentags das Autoradio anhatten …
  • dass ich nicht unbedingt in der italienischen Mittagshitze von meinem Sohn genötigt werde, mit ihm Fußball zu spielen …
  • andere Gerüche als zuhause und guten Schlaf …
  • dass es unserem Kater Hafiz auch gut ergehe. Er bleibt daheim und alle werden ihn vermissen …

Daniel Bogner

Foto: Atlas Green, www.unsplash.com

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